Billardzimmer Kaiser Franz Josephs in Schönbrunn, Chromolithographie nach einem Aquarell von Franz Heinrich, um 1855/1860

Spiegelsaal in Schönbrunn, Chromolithographie nach einem Aquarell von Franz Heinrich, um 1855/1860

Rekonstruktion des "Ägyptischen Kabinetts" aus der Wohnung Kaiserin Maria Ludovicas, Installation im Kaiserlichen Hofmobiliendepot, Wien

Berthold Löffler: Schlafzimmer Kaiser Franz Josephs in Schönbrunn, Gouache, 1916

Wie wohnt der Kaiser?

Billardzimmer Kaiser Franz Josephs in Schönbrunn, Chromolithographie nach einem Aquarell von Franz Heinrich, um 1855/1860

Spiegelsaal in Schönbrunn, Chromolithographie nach einem Aquarell von Franz Heinrich, um 1855/1860

Rekonstruktion des "Ägyptischen Kabinetts" aus der Wohnung Kaiserin Maria Ludovicas, Installation im Kaiserlichen Hofmobiliendepot, Wien

Berthold Löffler: Schlafzimmer Kaiser Franz Josephs in Schönbrunn, Gouache, 1916

Diese Frage wurde bereits in der anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph veröffentlichten Jubelschrift "Viribus unitis" gestellt. Die Wohnkultur im Hause Habsburg war jedoch wie in vielen Bereichen des kaiserlichen Lebens nicht nur eine Frage des persönlichen Geschmacks ...

Das erste große Schreibzimmer (das sogenannte Nußbaumzimmer), ein schöner Raum, ganz in Holz und Gold gehalten, hatte wirklich mögliche Möbel … Das zweite Schreibzimmer war wesentlich einfacher, hauptsächlich mit sogenannten hofaerarischen Möbeln ausgestattet. Besonders der Schreibtisch war mehr als geschmacklos, ein politiertes braunes Gebilde einer üblen Möbelkunst der 70er Jahre … Die Wände dieses Zimmers und auch des Schlafzimmers sowie alle Möbel waren mit dunkelbrauner, schwerer Seide überzogen, die mit unregelmäßigen, grünen Efeublättern geschmückt war; es sah altväterlich, aber originell aus … Es waren Möbel, wie sie in keinem besseren Haushalt mehr zu sehen waren.

Gardeoffzier Erwein Lobkowicz über das Appartement Kaiser Franz Josephs in Schönbrunn (1916). Zitiert nach: Ottillinger, Eva B.: Kaiserliche Wohnkultur; in: Hamann, Brigitte/Hassmann, Elisabeth (Hrsg.): Elisabeth. Stationen ihres Lebens, Wien/München 1998, S. 38 – 45

Was meine Wohnung betrifft, so kennst du bester Schatz meine Schwachheit … ich leugne nicht, daß die Ausgabe groß seyn wird, doch alles bleibt dem Staat (als Hofärar) … Was ich dir in meublen koste, kostet dich eine andere Frau in Pferden, Bällen, Unterhaltungen, von denen verlange ich nichts, nur eine schöne Wohnung …

Kaiserin Maria Ludovica in einem Brief vom 14. Dezember 1809 an ihren Gatten, Kaiser Franz I. Zitiert nach: Ottillinger, Eva B.: Interieurs im Wandel. Die "ägyptischen Räume" Kaiserin Ludovicas; in: Barta-Fliedl, Ilsebill/Parenzan, Peter (Hrsg.): Lust und Last des Erbens. Die Sammlungen der Bundesmobilienverwaltung Wien, Wien 1993, S. 73 – 81

Billardzimmer Kaiser Franz Josephs in Schönbrunn, Chromolithographie nach einem Aquarell von Franz Heinrich, um 1855/1860

Spiegelsaal in Schönbrunn, Chromolithographie nach einem Aquarell von Franz Heinrich, um 1855/1860

Rekonstruktion des "Ägyptischen Kabinetts" aus der Wohnung Kaiserin Maria Ludovicas, Installation im Kaiserlichen Hofmobiliendepot, Wien

Berthold Löffler: Schlafzimmer Kaiser Franz Josephs in Schönbrunn, Gouache, 1916

Bei jedem Herrscherwechsel war es üblich, die kaiserlichen Appartements neu einzurichten. Dabei musste auf Traditionen und Erwartungshaltungen Rücksicht genommen werden, denn die Wohnung des Herrschers war – zumindest für einen exklusiven Teil der Öffentlichkeit – zugänglich und diente gewissermaßen auch als Medium, um Botschaften zu vermitteln.

Einerseits musste der Glanz des kaiserlichen Hofes gewahrt bleiben, denn eine gewisse imperiale Pracht wurde erwartet, um dem Repräsentationsdenken der Zeit zu entsprechen. Andererseits galt am Wiener Hof seit Maria Theresia der Grundsatz einer bescheidenen Haushaltsführung: Solide Qualität hatte Vorrang vor kurzlebigen modischen Strömungen, übermäßiger Prunk sollte vermieden werden.

Das Ergebnis war ein gewachsener Bestand, der in der Regel nicht in einem Guss von einem Innenarchitekten geplant worden war: Oft stand altes Mobiliar neben neuen Stücken, erinnerungswürdige Ausstattungsteile wurden mit modernen Details ergänzt. Außerdem unterschied man zwischen privaten Einrichtungsgegenständen, die von den jeweiligen BesitzerInnen aus dem Haus Habsburg bezahlt wurden, und sogenannten hofärarischen Möbeln, deren Anschaffung aus staatlichen Mitteln erfolgte. Während über erstere nach der Auflösung eines Appartements nach dem Tod der BenützerInnen von den Erben frei verfügt werden konnte, gingen letztere in das Inventar der Hofmobilienverwaltung über.

Die Gestaltung der Wohnräume der Habsburger war nicht immer eine Frage des persönlichen Geschmacks. Oft mussten individuelle Vorstellungen zugunsten einer gewissen ‚Corporate Identity‘ geopfert werden. Bestes Beispiel dafür ist die ab den 1830er Jahren für den Wiener Hof verbindlich gewordene Spielart des Neorokoko, die als „maria-theresianischer“ oder auch „blondelischer“ Stil bezeichnet wurde. Vor allem die ‚klassische‘ Variante der weiß-gold gefassten Möbel mit rotem Damastbezug galt als für das „Decorum des allerhöchsten Hofes“ angemessener Einrichtungsstil.

Die Ambitionen der Mitglieder der Dynastie bezüglich ihrer Wohnsituation waren unterschiedlich: So stellte die dritte Gemahlin Kaiser Franz I., Maria Ludovica, besonders hohe Ansprüche und ließ ab 1810 ihr 24 Räume umfassendes Appartement in der Hofburg aufwändig in der gerade höchst modernen antikisierenden Formensprache des Empire gestalten. Am anderen Ende der Skala finden sich Habsburger, die keinerlei Ehrgeiz in Sachen Wohnkultur entwickelten: Der bekannt anspruchslose Kaiser Franz Joseph alterte gemeinsam mit seinen einmal angeschafften Möbeln, ohne das Bedürfnis nach Veränderungen zu verspüren.

Martin Mutschlechner