Eine Familie stellt sich vor – Maria Theresia und das Image der Dynastie

Druckversion

Unter Maria Theresia erlebte die Dynastie der Habsburger etwas, das sich in der heutigen Mediensprache als 'Relaunch' bezeichnen lässt. Die Art und Weise, in der Maria Theresia sich und die nicht nur genealogisch neu begründete Dynastie Habsburg-Lothringen der Öffentlichkeit präsentierte, könnte moderne PR-Agenturen neidisch werden lassen.

Und so lieb ich auch meine Familie und Kinder habe, dergestalten, dass kein Fleiss, Kummer, Sorgen, noch Arbeit vor selbe spahre, so hätte jedoch derer Länder allgemeines Bestes denenselben allezeit vorgezogen, (…) in deme sothaner Länder allgemeine und erste Mutter bin

Maria Theresia über ihre Rolle als Herrscherin und Mutter. Zitiert nach Arneth, Alfred: Zwei Denkschriften Maria Theresias, in: Archiv für österreichische Geschichte (1871), 47, S.287

Maria Theresia verwandelte ihre Ausnahmestellung als Frau auf Habsburgs Thron durch bewusste Betonung der ‚weibliche Tugenden‘ im Sinne der patriarchalischen Gesellschaftsordnung ihrer Zeit zu ihrem Vorteil. Sie inszenierte sich als Ehefrau und stolze Mutter von 16 Kindern, herzhaft und treusorgend, mit Realitätssinn und Bodenständigkeit ausgestattet. Die nach außen vermittelte Harmonie in Ehe und Familie sollte als positiver Gegenentwurf zur dynastischen Unnahbarkeit und höfischen Gefühlskälte dienen. Ein Familienleben im Sinne der Aufklärung wurde propagiert, was ein umso positiveres Nachwirken im 19. und 20. Jahrhundert zur Folge hatte, als das bürgerliche Familienideal zum Leitbild wurde.

Vor allem der Aspekt der Mütterlichkeit wurde betont, sei es in ihrer eigenen Familie oder übertragen als Landesmutter ihrer Untertanen. Nicht zu vergessen ist dabei der Hintergrund des drohenden Aussterbens der Dynastie nach dem Tod ihres Vaters. Eine enorme Zahl von Porträts ihrer Kinder in allen Alterstufen wurde geschaffen, Familienbilder sollten die Vitalität der Dynastie unterstreichen.

Berühmt sind die bereits zu Lebzeiten entstandenen, großformatigen Darstellungen erinnernswerter Ereignisse aus der Regentschaftszeit Maria Theresias, z. B. die Behauptung des Erbes im Österreichischen Erbfolgekrieg oder die Gründung des Sankt-Stephansordens 1764 als Zeichen der Verbundenheit zu Ungarn, das sich unter Maria Theresia vom ewigen Schlachtfeld und einer Problemregion zu einem der Kerngebiete habsburgischer Macht gewandelt hat.

Ein wichtiger Aspekt war auch die Behauptung der ungebrochenen Kontinuität der Dynastie Habsburg, ungeachtet des ‚Neustarts‘ nach 1740. In ideologischer Hinsicht wurde der Anspruch auf den Kaisertitel dokumentiert (Bilderserie zur Frankfurter Krönung Josephs II. 1764), in biologischer Hinsicht die Fortsetzung der Dynastie durch die Hochzeit Josephs II. mit Isabella von Parma 1760.

Die letzten Jahre des Lebens Maria Theresias waren geprägt von der Inszenierung  eines regelrechten Kultes um das Andenken des 1765 verstorbenen Gatten Franz Stephan. Als Beispiel hierfür sei das berühmte Vieux-Laque-Zimmer in Schönbrunn genannt. Das Porträt Franz Stephans in der Mitte dieses Gedenkraumes ist flankiert vom Doppelporträt seiner ältesten Söhne und Nachfolger Joseph II. und Leopold II. sowie einer Darstellung der Schwiegertochter Maria Ludovica im Kreise ihrer Kinder als Symbol des Weiterlebens in den zukünftigen Generationen der Familie.

Martin Mutschlechner