J. J. Hinschliff (nach J. Alt): Franzensburg, Ansicht über den Teich Richtung Fährturm, Stahlstich, 19. Jahrhundert

Franz Wolf (nach Johann Nepomuk Hoechle): Die kaiserliche Familie in Laxenburg, Lithografie, 1835

Lemaitre: Thronsaal in der Franzensburg, Lithografie, 19. Jahrhundert

Habsburgersaal in der Franzensburg, Fotografie, 20. Jahrhundert

Lothringersaal in der Franzensburg, Fotografie, 20. Jahrhundert

Die Franzensburg – der Rittertraum des Bürgerkaisers

J. J. Hinschliff (nach J. Alt): Franzensburg, Ansicht über den Teich Richtung Fährturm, Stahlstich, 19. Jahrhundert

Franz Wolf (nach Johann Nepomuk Hoechle): Die kaiserliche Familie in Laxenburg, Lithografie, 1835

Lemaitre: Thronsaal in der Franzensburg, Lithografie, 19. Jahrhundert

Habsburgersaal in der Franzensburg, Fotografie, 20. Jahrhundert

Lothringersaal in der Franzensburg, Fotografie, 20. Jahrhundert

Im Park zu Laxenburg, inmitten eines Teiches, erhebt sich ein unwirkliches Bauwerk, eine Märchenburg. Passend zum romantischen Setting, bringt eine Fähre die BesucherInnen an den Torbau. Willkommen im Habsburg History Land!

J. J. Hinschliff (nach J. Alt): Franzensburg, Ansicht über den Teich Richtung Fährturm, Stahlstich, 19. Jahrhundert

Franz Wolf (nach Johann Nepomuk Hoechle): Die kaiserliche Familie in Laxenburg, Lithografie, 1835

Lemaitre: Thronsaal in der Franzensburg, Lithografie, 19. Jahrhundert

Habsburgersaal in der Franzensburg, Fotografie, 20. Jahrhundert

Lothringersaal in der Franzensburg, Fotografie, 20. Jahrhundert

Man betritt eine Ritterburg mit allem, was dazugehört: Schatzkammer, Waffensaal, Burgfrauenzimmer, Knappenstube, sogar ein Burgverlies ist zu sehen. Überall erblickt man Habsburger in eigenartig altertümlicher Gewandung auf Gemälden und Glasmalereien, als Statuen und Büsten. Spätestens wenn man im prunkvoll ausgestalteten Zentrum der Anlage, bestehend aus Thronsaal, Habsburgersaal und Lothringersaal, angelangt ist, merkt man, dass all dies sehr ernst gemeint ist.

Die Franzensburg trägt den Namen ihres Schöpfers, Kaiser Franz II./I. Was zunächst als romantische Spielerei begann – als Gartenhaus in den Formen der romantischen Gotik – wurde immer staatstragender. Der sonst als nüchterner und volksnaher ‚Bürgerkaiser‘ stilisierte Monarch schuf in mehreren Etappen inmitten seines geliebten Laxenburger Schlossparks ein historisch verbrämtes, extravagantes Denkmal zur Verherrlichung der habsburgischen Dynastie, das zu Stein gewordene ideologische Unterfutter für das erst 1804 gegründete österreichische Kaisertum. Die Botschaft dahinter: Der Titel eines Kaisers von Österreich mag jung sein, die Dynastie jedoch kann auf Jahrhunderte monarchischer Herrschaft zurückschauen.

Die ehrwürdige Vergangenheit des Hauses Habsburg und dessen dynastischer Anspruch, der gerade von Napoleon mehr als in Frage gestellt wurde, sollte mittels historischer Versatzstücke und architektonischer Zitate als erlebbares und begehbares Denkmal dargestellt werden. Aus Klöstern und Kirchen, aus Schlössern und Rathäusern des gesamten Reiches wurden originale mittelalterliche Bauteile und Ausstattungsstücke zusammengetragen und in Laxenburg zu einer pseudomittelalterlichen Bilderbucharchitektur arrangiert.

Die unmittelbare Umgebung der Franzensburg wurde als Rittergau samt Turnierplatz, Rittergruft, Rittersäule und gotischer Brücke gestaltet. Es gab sogar Überlegungen, eine Kopie der Habichtsburg, der Stammburg des Geschlechts im Schweizer Kanton Aargau, in Originalgröße im Park zu errichten, wozu es jedoch schlussendlich nicht mehr kam …

Martin Mutschlechner