1700–1913

Ein „Türkischer Salon“ in der Wiener Hofburg

Druckversion

Der Hof frönte dem „blondel’schen Stil“, Erzherzog Rudolf lebte jedoch lieber orientalisch und ließ sich ein „Türkisches Zimmer“ einrichten.

In den übrigen Staats- und Prunkgemächern kann ein Gefühl der Behaglichkeit nicht aufkommen; man hat nicht die Empfindung, dass sie bewohnt seien. […] Anders das Arbeitszimmer. Da ist das wirkliche Heim des Kronprinzen […]. Aus der ganzen Einrichtung mit den hundert Kleinigkeiten, die selbst den prächtigsten Raum erst wohnlich machen, spricht ein edles Schönheitsgefühl. […] Überhaupt bilden orientalische Teppiche den wichtigsten und schönsten Bestandtheil der ganzen Einrichtung. […] In der linken Ecke des Zimmers ist eine Galerie mit einer Balustrade und Banksitzen, über welche persische Teppiche gebreitet sind, angebracht. Die zeltartige Ueberdachung wird von den Krallen eines kolossalen Adlers […] zusammengehalten. Auf dem Divan bilden zwei große, als Eselstaschen montierte Kissen die Rückenlehne. Vor dem Divan steht ein arabischer Rauchtisch mit einer großen, massiv silbernen, kunstreich gravierten Platte und um den Tisch sind mehrere türkische Tabourets mit Silber-, Elfenbein- und Perlmuttintarsien gestellt. […] An der Wand zwischen den beiden Fenstern steht ein orientalischer Schrank mit allerlei Rauchutensilien.

„Allgemeine Illustrierte Zeitung“, 1886.

Ein ehemaliger „Gobelinsalon“ der Wiener Hofburg wurde in den 1880er Jahren für den Kronprinzen nach dessen Vorgaben und Geschmack umgestaltet: Er wünschte sich ein Herren- bzw. Arbeitszimmer in orientalischem Stil. Die Ausstattung des sogenannten „Türkischen Salons“ wurde 1886 in der „Allgemeinen Illustrierten Zeitung“ genau beschrieben.

Innerhalb der Hofburgappartements nahm der Raum eine Sonderstellung ein, da er den persönlichen Wohngeschmack des Kronprinzen repräsentierte. Im Nachlassinventar mit 151 Einzelposten sind die Ausstattungsgegenstände des „Türkischen Zimmers“ akribisch aufgeführt: Teppiche, Diwans, Fauteuils, türkische Hocker und persönliche Erinnerungsstücke wie Waffen. Das Vorbild für solch eine Einrichtung waren die „orientalischen Kabinette“ der großbürgerlichen Häuser in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die als Rauch- oder Herrenzimmer dienten und Ausdruck der zeitgenössischen Faszination für den Orient waren. Auch auf der Wiener Weltausstellung von 1873 war ein „Tunesisches Zimmer“ ausgestellt, das mit ähnlichen Möbeln und Requisiten eingerichtet war wie das in der Hofburg. Auf einer Orientreise 1881, die den Kronprinzen nach Kairo, Oberägypten, zum Suezkanal und nach Jerusalem führte, lernte er die orientalische Wohn- und Lebenskultur kennen. Diese Eindrücke schlugen sich ebenfalls in der Gestaltung des Raums nieder.

Der übrige Hof entzog sich jedoch neueren Einrichtungsstilen – dem Thronfolger Franz Ferdinand wird folgende Aussage zugeschrieben: „Aber der Maria Theresianien-Stil ist mir doch der liebste.“

Julia Teresa Friehs