Habsburger à la turca. Ein Politikum (Teil 1)

Kaiser Franz Joseph auf der Cheopspyramide. Xylographie, 1869.

Kaiser Franz Joseph in Bosnien, 1908

Der Kulturaustausch zwischen dem Osmanischen Reich und der Habsburgermonarchie wurde im 19. Jahrhundert durch diplomatische und kulturelle Beziehungen gefördert. Stand dahinter schlichtweg nur politisches Kalkül?

Kaiser Franz Joseph auf der Cheopspyramide. Xylographie, 1869.

Kaiser Franz Joseph in Bosnien, 1908

Österreich, das bis zum Ende des 17. Jahrhunderts die Türken in den Türkenbelagerungen von Wien (1529 und 1683) abwehrte, begann Ende des 18. Jahrhunderts ein freundschaftliches Verhältnis zu den Osmanen aufzubauen. Metternich hoffte vor allem im Osmanischen Reich wirtschaftlich Fuß fassen zu können, nachdem Mahmut II. in seiner Armeereform auf militärische Stärke gesetzt hatte und eine erhöhte Waffenproduktion erforderlich wurde. Metternichs Hoffnung, die osmanischen Heere mit österreichischen Waffen zu versorgen, erfüllte sich allerdings nicht.

Das in dieser Periode offenkundig gezeigte Interesse an der jeweiligen Kultur des Anderen sollte über Diplomatie, die Einrichtung von kulturellen Institutionen und wissenschaftliche Forschungen bestärken. Der Orientalist Joseph von Hammer-Purgstall verfasste nach seinem mehrjährigen Aufenthalt in Istanbul (1825 bis 1835) das zwölfbändige Werk „Geschichte des Osmanischen Reiches“. Für seine Verdienste um orientalistische Studien wurde er nicht nur vom kaiserlichen Hof Wiens geehrt, wo er bereits als Hofdolmetsch für orientalische Sprachen tätig war, auch der Sultan Abdül Mecid zeichnete ihn mit einem Orden aus. Beziehungen mit dem Osmanischen Reich im 19. Jahrhundert betrafen zuerst den medizinischen Bereich. Es wurden in Istanbul Spitäler und die erste Medizinische Hochschule nach Vorbild des Wiener Josephinums gegründet. Das erste Naturkundemuseum in Istanbul zeigte zahlreiche Schauobjekte aus Wien. Auf Anfrage des Osmanischen Reiches kam es zur militärischen Unterstützung etwa im griechischen Aufstand der 1820er-Jahre, im Krimkrieg 1853 bis 1856 und der russischen Invasion 1877/1878. Ein formelles Bündnis gingen die beiden Staaten allerdings nie ein.

Das Friedensprojekt zwischen der Habsburgermonarchie und dem Osmanischen Reich basierte letztlich aber auf politischem Kalkül: Auf dem Wiener Kongress 1814/15 handelte Metternich mit den führenden Staaten in Europa eine Staatenordnung aus, welche die Versöhnung mit den Kriegsgegnern und das Gleichgewicht der Großmächte vorsah. Die offiziell guten Beziehungen zum Osmanischen Reich standen oftmals im Gegensatz zur gelebten Nachbarschaft sowohl im gesellschaftlichen Umgang als auch an der Militärgrenze, was sich am Beispiel der österreichischen Annexion von Bosnien und Herzegowina im Jahre 1908 zeigte.

Anita Winkler