1700–1913

Maria Theresia im Kleid der Osmanen

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Nicht ohne meine Janitscharen: Die Türkenmode erfasst im 18. Jahrhundert ganz Europa und auch der Wiener Hof feiert und kleidet sich "alla turca".

Hofmarschall Johann Josef Fürst Khevenhüller-Metsch berichtet über ein türkisches Fest in Schönbrunn am 3. Oktober 1743:

[…] nicht allein große Gala angelegt und nebst großen Soupé Bal gehalten, sondern auch das Schloss und der mittere Prospect des Gartens mit vilen Lampions illuminiret und von der hiesigen operischen Bande eine Entrée in orientalischer Tracht durch den Garten und hierauf ein Ballet im Saal produciret wurde.

Hofmarschall Johann Josef Fürst Khevenhüller-Metsch berichtet über ein türkisches Fest in Schönbrunn am 3. Oktober 1743.

Einen Höhepunkt erreichte die Türkenmode im 18. Jahrhundert: Osmanische Gesandtschaften trafen in Paris, Wien und Berlin ein. Deren prunkvolle Empfänge nährten die Ideen eines verschwenderisch reichen Märchenlandes.

Darstellungen von EuropäerInnen in türkischem Gewand und in türkischer Szenerie waren ein Hit. Hoffähig wurden diese Bildnisse durch die Marquise de Pompadour: Sie ließ sich in den 1750er-Jahren in drei Gemälden als Sultanin porträtieren. Von Frankreich aus erfasste die Türkenmode auch den habsburgischen Hof. Man kleidete sich in türkische „Trachten“ (bzw. das, was man dafür hielt) und tanzte auf Bällen in orientalischen Kostümen. Sogar Hochzeiten wurden in orientalistischen Settings zelebriert.

Die Hochzeitsfeierlichkeiten zur Vermählung des sächsischen Kurprinzen Friedrich August II. mit der österreichischen Erzherzogin Maria Josepha 1719 waren ein Ausdruck der Faszination des Hofes für den exotischen Orient: Für das Fest ließ der Vater des Bräutigams eigens ein Palais auf „türkische Art“ gestalten, Janitscharen als Festgarde auftreten; zum Empfang der Braut waren türkische Zelte errichtet worden und zur Tafel mussten die Gäste, darunter der türkische Großbotschafter, ausschließlich in türkischer Kleidung erscheinen.

Julia Teresa Friehs