Hochzeit mit dem Teufel

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Der Krieg gegen Napoleon lief aus habsburgischer Sicht alles andere als berauschend. Eine Hochzeit sollte die Lage verbessern.

Indem ich eine Erzherzogin heiratete, habe ich das Neue mit dem Alten verschmelzen wollen, die gotischen Vorurteile mit den Institutionen meines Jahrhunderts.

Es ist ein Bauch, den ich heirate!

Napoleon Bonaparte über seine Hochzeit mit der Habsburgerin Marie Louise

Fürst Metternich vollzog nach einer Reihe österreichischer Niederlagen im Krieg gegen Napoleon einen Schwenk der habsburgischen Politik: Die Gegnerschaft sollte in eine Kooperation mit dem Franzosen verwandelt werden. Dazu griff Metternich auf eine bewährte habsburgische Taktik zurück: Er brachte die Eheverbindung der ältesten Tochter von Kaiser Franz II./I., der 18-jährigen Marie Louise, mit Napoleon zustande. Der jungen Erzherzogin gefiel das gar nicht, sie nannte Metternich „den ekelhaftesten Geck, den es je auf Erden gegeben hat“. Doch ihre Meinung war nicht relevant, aus Sicht der Herrscher war es eine Win-Win-Situation: Franz wollte eine Aussöhnung mit dem Franzosen, Napoleon konnte in ein gutes Haus einheiraten und damit seine Herrschaft als „Kaiser der Franzosen“ legitimieren. Aus heutiger Sicht mutet die Situation grotesk an: Napoleon, der den habsburgischen Kaiser im Krieg laufend gedemütigt hatte, wurde nun sein Schwiegersohn. Maria Karolina, die Königin von Neapel-Sizilien, war außer sich über die Opferung ihrer Lieblingsenkelin, durch die sie „des Teufels Großmutter“ wurde.

Die letzte habsburgische Ehe mit einem französischen Herrscher hatte für Marie Antoinette unter der Guillotine geendet. Wenigstens dieser gewaltsame Tod blieb Marie Louise erspart. Das Paar wurde im April 1810 in Paris getraut. Napoleon hatte sich zuvor von seiner ersten Gattin Joséphine de Beauharnais scheiden lassen, weil sie ihm keinen Nachfolger gebären konnte. Marie Louise gelang das besser: Sie brachte 1811 Napoleon Franz Karl Joseph zur Welt, der gleich bei seiner Geburt zum König von Rom ernannt wurde.

Doch Napoleons Kriegsglück währte bekanntlich nicht mehr lange: Er wurde ins Exil auf Elba abgeschoben. Sein Sohn wurde daraufhin zum „Herzog von Reichstadt“ degradiert. Marie Louise hatte keine Lust, mit ihrem Gatten auf die Insel zu gehen. Die alleinerziehende Mutter zog zunächst mit ihrem Sohn an den Wiener Hof. Franz II./I. und Karoline Auguste liebten und verhätschelten ihren Enkel. Der kleine Herzog von Reichstadt wiederum verehrte Erzherzogin Sophie, die Mutter des späteren Kaisers Franz Joseph. Es gab Gerüchte am Hof über ein Verhältnis der beiden, sogar eine Vaterschaft wurde ihm angedichtet.

Marie Louise erhielt am Wiener Kongress das Herzogtum Parma als Besitz auf Lebenszeit. Sie hatte inzwischen Adam Adalbert Graf Neipperg kennengelernt, der ihr offenbar sympathischer war als ihr Gatte Napoleon. Mit ihm ging sie 1816 nach Italien und heiratete ihn nach Napoleons Tod.

Stephan Gruber