… sie lieben und ehren, bis dass der Tod euch scheide?

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Im Umfeld des "Traumpaares" Franz Joseph und Elisabeth spielten sich zahlreiche Affären und Liebschaften ab.

Die Ehe ist eine widersinnige Einrichtung. Als fünfzehnjähriges Kind wird man verkauft und tut einen Schwur, den man nicht versteht und dann 30 Jahre oder länger bereut und nicht mehr lösen kann.

Elisabeth an ihre Tochter Marie Valerie

Das Schlafzimmer des Kaisers wurde … von den elegantesten Frauen des Hofes besucht, die auf geheimnisvollem Wege kamen und auf noch geheimnisvollere Weise verschwanden… Wie viele von denen, die man niemals eines solchen Fehltritts für fähig gehalten hätte, haben sich doch den Wünschen des Kaisers gefügig gezeigt!

Der Kammerdiener Anton Grill über Kaiser Maximilian von Mexiko

Affären waren im Hochadel nichts Ungewöhnliches: Ehen wurden meist aus so genannter „Vernunft“ geschlossen, bedeuteten jedoch alles andere als lebenslange Treue und Harmonie. Entgegen dem bürgerlichen Eheideal waren außereheliche Liebschaften keine Ausnahme – die Ausschweifungen der männlichen Familienmitglieder wurden zumeist toleriert, wenn nicht sogar gefördert. Frauen wurde dies – hier lag die Doppelmoral – nicht in gleichem Maße zugestanden.

Zu Franz Josephs Liebschaften gehörten Damen aus aristokratischen Kreisen, aus dem Theatermilieu und auch aus dem Dienstpersonal. Diese Liebhaberinnen erhielten im Gegenzug Belohnungen: Aristokratische Frauen, die dem Kaiser höchstselbst „zu Diensten“ waren, bekamen Würden verliehen und konnten sogar ein rascheres berufliches Fortkommen ihrer Ehemänner erwirken. Liebhaberinnen am Theater konnten mit größeren Rollen, Berufstiteln und höheren Gagen rechnen. Und Damen aus dem Dienstpersonal erhielten zuweilen einmalige Abfertigungssummen, die für den Rückzug ins Privatleben ausreichten. Auf Elisabeths eigene Vermittlung kam Franz Josephs Beziehung zur Schauspielerin Katharina Schratt zustande, die ab den 1880er Jahren gleichsam den Status einer offiziellen Affäre erhielt. Sie war nicht nur für die körperliche Liebe zuständig, sondern auch für jene fröhlichen Gesellschaftspflichten, die Elisabeth nicht erledigen konnte und wollte. Katharina Schratt wurde in Franz Josephs Testament mit einer halben Million Gulden bedacht – eine ungeheuer hohe Summe im Vergleich zu ihrem Jahresgehalt am Burgtheater von gerade 8.000 Gulden.

Ähnliche Liebschaften führte Franz Josephs Bruder Ferdinand Maximilian: Er ging zwar mit seiner Ehefrau Charlotte von Belgien nach Mexiko, wo er für einige Jahre als Kaiser regierte. Dort ließ er aber die Verbindung zu den Gemächern seiner Ehefrau zumauern, offenbar um sich mit anderen Frauen zu vergnügen.

Auch Kronprinz Rudolf, der Sohn von Franz Joseph und Elisabeth, hielt sich nicht an eheliche Zwänge: Er war zwar mit Stephanie von Belgien verheiratet, fiel aber immer wieder durch Frauengeschichten und Prostituiertenbesuche auf. In der Folge litt er an einer schweren Geschlechtskrankheit. Auch Rudolf entlohnte diese Damen: Die Edelprostituierte Mizzi Caspar erhielt für ihre Dienste ein dreistöckiges Bürgerhaus, Schmuck und Geld. Die letzte seiner Liebhaberinnen, die erst 17-jährige Mary Vetsera, erschoss er in Mayerling, bevor er sich selbst das Leben nahm.

Stephan Gruber