Die Königin von Frankreich

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Maria Theresias Töchter wurden gemäß der Familientradition auf dem internationalen Heiratsmarkt eingesetzt. Den höchsten Aufstieg und tiefsten Fall erlebte Marie Antoinette.

Erzherzogin Maria Antonia war Maria Theresias jüngste Tochter. Berühmt wurde sie unter ihrem französischen Namen Marie Antoinette. Sie war von Kindheit an dafür bestimmt, einen entscheidenden Beitrag in der historischen Aussöhnung mit dem neuen Bündnispartner Frankreich zu spielen: Zunächst gab es Überlegungen, sie mit dem alten König Ludwig XV. zu verehelichen – dieser wäre 45 Jahre älter als das junge Mädchen gewesen! Dann aber wurde doch für eine Hochzeit mit seinem Enkel, dem Dauphin (Kronprinzen) und künftigen französischen König Ludwig XVI., entschieden. Der passte besser in Marie Antoinettes Altersklasse, er war nur ein Jahr älter.

Die junge Erzherzogin wurde in allen höfischen Dingen für ihre große Rolle als Königin von Frankreich vorbereitet: Zu ihrer Erziehung gehörten Musikunterricht bei Christoph Willibald Gluck und die Ausbildung in den höfischen Künsten. Gut gerüstet ging sie also mit 14 Jahren in die Hochzeit mit dem Dauphin, die im April 1770 in Wien stattfand – wie üblich durch einen Stellvertreter des Bräutigams, in diesem Fall ihren eigenen Bruder Ferdinand. Höhepunkt der Feierlichkeiten war ein pompöser Ball im Schloss Belvedere, zu dem 6.000 Gäste geladen waren.

Als französische Königin kam Marie Antoinette bei ihren Untertanen nicht besonders gut an: Sie galt als eingebildet und verschwenderisch. Als berühmtes Zitat wurde ihr daher der Satz zugeschrieben: “Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie Kuchen essen.” Dieses Zitat dürfte jedoch nicht von ihr stammen, sondern ihr von Jean-Jacques Rousseau, einem der Wegbereiter der Französischen Revolution, angedichtet worden sein. Marie Antoinettes konservative Haltung verhinderte einen politischen Ausgleich zwischen den Konfliktparteien im vorrevolutionären Frankreich. Die Gegnerschaft des Ancien Régime wuchs stetig.

Nach Ausbruch der Revolution musste die königliche Familie im Oktober 1789 von Versailles nach Paris übersiedeln. Marie Antoinette bat ihre Brüder Joseph II. und Leopold II. um Hilfe, diese konnten aber aus politischen Überlegungen nicht entscheidend in die internen französischen Angelegenheiten eingreifen. Nach einem fehlgeschlagenen Fluchtversuch wurde die Königsfamilie 1792 interniert: Ihnen wurde Hochverrat vorgeworfen. Zunächst wurde Ludwig XVI. verurteilt und hingerichtet. Am 16. Oktober 1793 musste auch Marie Antoinette den Gang zur Guillotine antreten und wurde enthauptet.

Stephan Gruber