Seid fruchtbar und vermehret euch

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Kaiser Leopold II. und seine Gattin Maria Ludovica lösten mit ihrem Kinderreichtum das habsburgische Nachwuchsproblem.

Fahre fort, lieber Bruder, gesunde Kinder in die Welt zu setzen, die Dir ähnlich sind, Du kannst mich Dir nicht inniger verpflichten, sie werden immer die meinigen bei jeder Gelegenheit sein, dem Staat ist gedient und ich bin der Verpflichtung enthoben, eine Frau zu haben, was ein Zustand ist, den ich verabscheue.

Joseph II. an seinen Bruder Leopold

Am 5. August 1765 fand in Innsbruck die Hochzeit von Leopold und Maria Ludovica von Bourbon-Spanien statt. Der Vollzug der Hochzeitsnacht musste allerdings ausbleiben, Leopold war von einer Diarrhö angeschlagen. Obersthofmeister Khevenhüller-Metsch schrieb in sein Tagebuch: “Da aber der Erzherzog Leopold sich noch immer schwächlich befände, so darffte man es nicht wagen, ihn zur Braut zu lassen, sondern er mußte wegen seiner schlechten Gesundheit noch ferners ville Zeit hindurch lit à part machen.” Trotz dieses unpässlichen Starts wurde die Ehe sehr kinderreich.

Beim Aufenthalt anlässlich der Hochzeit starb Leopolds Vater Franz I. Stephan. Da Leopold gleich dessen Erbe als Herrscher der Toskana antrat, zog das jungvermählte Paar dorthin. Beruflich wie privat war ihnen Erfolg beschieden: “Pietro Leopoldo” brachte es zu hohem Ansehen, und fast im Jahresrhythmus gebar seine Gattin Kinder. Joseph II. nannte seinen Bruder daher ironisch “den trefflichen Bevölkerer”. Die Gefahr des habsburgischen Aussterbens war durch die große Nachkommenschaft abgewandt, Joseph blieb eine neuerliche Ehe erspart.

Leopold und seine Frau Maria Ludovica setzten insgesamt 16 Kinder in die Welt, ebenso viele wie Leopolds Eltern. Dieser Kinderreichtum führte zur Ausbildung mehrerer Linien des Hauses Habsburg-Lothringen durch Leopolds Söhne: Die kaiserliche Linie führte Franz II./I. weiter. Leopolds Nachfolger in der Toskana, Ferdinand III., begründete die toskanische Linie. Außerdem entstanden die Linien Erzherzog Karls, die ungarische Linie des Palatins Josef Anton sowie die Linie Erzherzog Rainers. Keine eigene dynastische Linie, aber dennoch ein ereignisreiches Leben hatte auch Leopolds Sohn Erzherzog Johann.

Wie viele seiner männlichen Verwandten war Leopold in Liebesangelegenheiten auch außerehelich höchst aktiv. Für adelige Männer galt es damals durchaus als standesgemäß, sich Mätressen zu leisten. Der jungen Tänzerin Livia Raimondi etwa richtete Leopold in Florenz ein kleines Palais ein. 1788 gebar sie einen unehelichen Sohn namens Luigi. Zwei seiner Mätressen nahm Leopold sogar aus der Toskana an den Wiener Hof mit. Die Kaiserin Maria Ludovica dürfte sich mit den Affären abgefunden haben. Sie soll mit den Geliebten ihres Gatten ein freundschaftliches Verhältnis gepflegt haben.

Stephan Gruber