Die Königin von Neapel-Sizilien

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Mehrere potenzielle Gattinnen Ferdinands IV. von Neapel erlitten einen frühzeitigen Tod. Erzherzogin Maria Karolina musste dann aber dran glauben – und ihn ehelichen.

Ich betrachte Josepha als ein Opfer der Politik, und wenn sie gegenüber ihrem Gatten und ihrem Gott ihre Pflicht erfüllt, so werde ich zufrieden sein.

Maria Theresia über die geplante Verheiratung ihre Tochter Maria Josepha mit Ferdinand IV. von Neapel

Die unfreiwillige Verheiratung von Frauen und jungen Mädchen stand an der Tagesordnung der internationalen dynastischen Politik. Daher war es nichts Außergewöhnliches, dass Maria Theresia eine ihrer Töchter mit dem neapolitanischen Thronerben Ferdinand (IV. von Neapel bzw. III. von Sizilien) zu verehelichen gedachte. Die Habsburger wollten damit eine Freundschaft mit dem Haus der Bourbonen aufbauen, um die jahrhundertealte Feindschaft mit Frankreich aufzulockern.

Ferdinand scheint ein besonderer Unglücksfall gewesen zu sein, der gleich drei Töchtern Maria Theresias zugemutet wurde. Zunächst wurde Erzherzogin Johanna mit ihm verlobt, starb aber mit zwölf (!) Jahren. Als nächste war die 16-jährige Maria Josepha an der Reihe: Sie wehrte sich zwar gegen die Vermählung, hatte aber keine Wahl. Kurz vor ihrer Abreise nach Neapel besuchte sie die Kapuzinergruft, um sich von ihren dort beigesetzten Ahnen zu verabschieden – ein paar Tage später starb sie selbst an Pocken und entkam somit doch noch der Verheiratung.

Das 13. Kind Maria Theresias war schließlich robust genug: Maria Karolina musste 1768 Ferdinand von Neapel-Sizilien heiraten. Der königliche Gatte war nicht gerade ein Traumprinz: Er war ein halber Analphabet und vertrieb sich die Zeit lieber mit Jagden und Spielen als mit den ernsten Aufgaben eines Königs. Maria Karolina empfand vor allem die erste Zeit der Ehe als Martyrium. Allmählich erlangte die Königin aber am Hof in Neapel Einfluss. 1780 betrieb sie etwa die Gründung einer Akademie der Wissenschaften. Ihr Gatte interessierte sich wenig für Politik und befasste sich lieber mit seinen für adelige Männer üblichen Geliebten. Trotzdem gebar Maria Karolina in ihrer 46-jährigen Ehe 18 Kinder und übertraf damit sogar ihre gebärfreudige Mutter. Ihre eigenen negativen Erfahrungen hinderten sie auch nicht daran, ihre Töchter ebenfalls aus dynastischen Machtüberlegungen zu verehelichen.

Sorgen machten Maria Karolina die revolutionären Ereignisse in Frankreich – die Königsfamilie musste 1798 vor Napoleons Truppen fliehen. Maria Karolinas Versuche, Widerstand zu organisieren, blieben erfolglos. Empört reagierte sie daher, als der Erzfeind Napoleon ihre Enkelin Marie Louise heiratete. Die Rückgabe Neapels an Ferdinand am Wiener Kongress erlebte Maria Karolina nicht mehr, sie starb 1814 in Wien.

Stephan Gruber