Zarte Triebe: Kaiserliche Flitterwochen in Laxenburg

Krepp / Prückl: Das junge Kaiserpaar Franz Joseph und Elisabeth in einer Loge, 1855

Franz Schrotzberg: Erzherzogin Sophie, Ölgemälde, 1858

Th. L. Atkinson (nach John C. Charleton): Kaiserin Elisabeth beim Hürdenritt, Stahlstich, 19. Jahrhundert

Wilhelm Gause: Kronprinz Rudolf mit Familie im Schlosspark von Laxenburg, Xylografie, 19. Jahrhundert

Romantik pur: ein frisch vermähltes Bilderbuchpaar in frühlingshafter Umgebung. Franz Joseph beschloss anlässlich seiner Hochzeit mit Elisabeth, die Flitterwochen in Schloss Laxenburg zu verbringen, um die Tradition der jährlichen Frühjahrsaufenthalte seiner Familie auf der ländlichen Residenz bei Wien fortzusetzen.

Krepp / Prückl: Das junge Kaiserpaar Franz Joseph und Elisabeth in einer Loge, 1855

Franz Schrotzberg: Erzherzogin Sophie, Ölgemälde, 1858

Th. L. Atkinson (nach John C. Charleton): Kaiserin Elisabeth beim Hürdenritt, Stahlstich, 19. Jahrhundert

Wilhelm Gause: Kronprinz Rudolf mit Familie im Schlosspark von Laxenburg, Xylografie, 19. Jahrhundert

Doch aus der geplanten trauten Zweisamkeit wurde nichts. Das junge Eheglück war von  einer massiven diplomatischen Krise im Zusammenhang mit dem Krimkrieg überschattet. Kaiser Franz Joseph war in Wien unabkömmlich. Sein vorbildlicher Arbeitseifer konnte jedoch das außenpolitische Desaster, welches er als absolutistischer Alleinherrscher zu verantworten hatte, nicht wettmachen. Allmorgendlich musste er von Laxenburg in die Wiener Hofburg fahren.

Elisabeth, noch unsicher in ihrer neuen Rolle als Kaiserin, blieb in Laxenburg in einer ungewohnten Umgebung allein zurück. Der ihr zugeteilte Hofstaat und das Kammerpersonal bestanden aus ihr völlig fremden Menschen, die nun das unmittelbare Umfeld ihres Alltagslebens bildeten. Elisabeths Schwiegermutter, Erzherzogin Sophie, versuchte zunächst in guter Absicht, den auf dem glatten Parkett des höfischen Daseins höchst hilflos agierende Teenager auf die neue Rolle als Kaiserin vorzubereiten. Sophie ging dabei aber offensichtlich sehr unsensibel vor, was das Verhältnis der beiden Frauen für die Zukunft stark belastete. Dass die Kaiserin in den Wochen nach der Hochzeit äußerst unglücklich war und sich nach Possenhofen und ihrer Familie sehnte, kommt in ihren Gedichten zum Ausdruck:

Es kehrt der junge Frühling wieder

Und schmückt den Baum mit frischem Grün

Und lehrt den Vögeln neue Lieder

Und macht die Blumen schöner blüh’n.

 

Doch was ist mir die Frühlingswonne

Hier in dem fernen, fremden Land?

Ich sehn‘ mich nach der Heimat Sonne

Ich sehn mich nach der Isar Strand.

Um der Langeweile zu entkommen, erkundete Elisabeth zum Leidwesen ihrer Schwiegermutter gerne reitend auf eigene Faust die Umgebung. Nicht nur dass spontane Ausritte ohne entsprechende Begleitung als ein der Stellung der Kaiserin ungebührliches Verhalten gewertet wurden: derartige Abenteuer stellten auch ein hohes Sicherheitsrisiko für Elisabeth dar.

Ebenfalls in Laxenburg gebar Elisabeth 1856 Gisela und zwei Jahre darauf Rudolf. Rudolf verbrachte später selbst mit seiner Frau Stefanie von Belgien die Flitterwochen in Laxenburg, wobei jedoch auch diese Ehe an der Verschiedenartigkeit der Partner scheitern sollte.

Sonja Schmöckel (Überarbeitung: Martin Mutschlechner)