"Figaros Hochzeit", die Geschichte eines revolutionären Friseurs

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Eine italienische Oper nach französischer Vorlage mit revolutionärem Inhalt: Mit der Geschichte eines gewissenlosen Grafen und seines klugen Dieners und Friseurs kritisierte Mozart Adel wie ständisches System und feierte in Prag große Erfolge.

Die neueste Sensation in Paris war ein für das Theater geschriebenes Lustspiel von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais (1732–1799), das Kritik an den politischen Zuständen im vorrevolutionären Frankreich übte. Wolfgang Amadeus Mozart sah darin einen geeigneten Stoff für eine Oper: Thematisiert wurden die Abschaffung adeliger Privilegien und die Gleichstellung aller Untertanen. 1785 konnte er den berühmten Textdichter Lorenzo da Ponte (1749–1838) gewinnen, der bislang mit Salieri gearbeitet hatte. Er schrieb nun für Mozart auf der Basis von Beaumarchais eine italienische Opera buffa, die Mozarts Vorstellungen gemäß selbstständig, gerafft und spannend war. Mozart komponierte die Musik sehr rasch, da er nebenbei Konzerte und Unterricht gab. Seine Lage war sicher nicht leicht, schrieb er doch eine italienische Oper für die Hofoper, in der sein Rivale Salieri als Hofkapellmeister SängerInnen, Musikern und Beamten vorgesetzt war.

Nachdem da Ponte eigens bei einer Audienz bei Joseph II. für die Oper geworben hatte, genehmigte dieser die Aufführung im kaiserlichen Theater. Der Hof übernahm das Honorar für Komponist und Textdichter. Kurz vorher hatte der Kaiser die Aufführung des Theaterstückes an Vorstadttheatern verboten, obwohl die politisch gefährlichen Stellen gestrichen worden waren. Emanuel Schikaneder hatte das Stück ins Deutsche übersetzt, wodurch es dem Publikum der Vorstadttheater, das aus BürgerInnen und einfachen Leuten bestand, verständlich wurde. Joseph II. befürchtete bei diesem Unruhen gegen Adel und Kaiser. Im Hofburgtheater bestand diese Gefahr nicht: Es wurde ausschließlich von der aristokratischen Hofgesellschaft besucht. Außerdem erschien eine italienische Oper weniger gefährlich als ein deutsches Sprechstück. „Was in unsern Zeiten nicht erlaubt ist, gesagt zu werden, wird gesungen“, konstatierte die „Wiener Realzeitung“.

Joseph II. benutzte die Geschichte des selbstbewussten und für seine Rechte kämpfenden Dieners, um dem Adel, welchen er ohnehin nicht leiden konnte, zu verspotten. Zudem konnte er sich so des Lobs fortschrittlicher Denker, um das er sehr bemüht war, sicher sein.

Nach nur neun Aufführungen wurde der „Figaro“ vom Spielplan verbannt. In Prag waren sowohl „Die Entführung aus dem Serail“ als auch „Figaros Hochzeit“ Riesenerfolge. Dort war Mozart ein umschwärmter Star und bekam einen neuen Opernauftrag: „Don Giovanni“.

Julia Teresa Friehs