1278–1918

Im Glanz römischer Kaiser – Franz Josephs Traum vom imperialen Forum

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Das Kaiserforum, eine monumentale Anlage, die das gesamte Hofburgensemble zu einer großen Einheit zusammenfassen sollte, war der Traum Franz Josephs.

Der Plan zum „Kaiserforum“ entstand im Zuge der Schleifung der Stadtmauern. Ein groß angelegtes Forum sollte das bisher stückhaft gewachsene Hofburgensemble zu einem großen Ganzen vereinen. Mastermind und Architekt war Gottfried Semper. Im Kaiserforum sollten sowohl der Machtanspruch des Herrscherhauses als auch das nationenübergreifende Konzept des Vielvölkerstaates einen glanzvollen Ausdruck finden.

Vorbild war die unter Ludwig XIV. errichtete Schlossanlage von Versailles – eine solche Residenz, welche die Habsburger eben nicht hinterlassen hatten, wollte Semper ‚nachinszenieren‘.

Zwischen dem Leopoldinischen Trakt der Hofburg und den von Fischer von Erlach entworfenen barocken Hofstallungen (dem heutigen Museumsquartier) sollte ein monumentaler, symmetrisch angelegter Platz entstehen, den die neu errichtete Ringstraße querte. Auf beiden Seiten der Ringstraße waren jeweils zwei Prachtbauten vorgesehen – einerseits die Hofmuseen, andererseits zwei neue Flügel der Hofburg. Zwei riesige Triumphbögen sollten die Ringstraße überspannen und Museen und Hofburg verbinden.

Nach dem Tod der Kaiserin 1898 verlor Franz Joseph das Interesse an diesem Projekt und übertrug die Bauleitung Thronfolger Franz Ferdinand. Das Kaiserforum geriet zu einem langwierigen Bauvorhaben: Franz Ferdinand mischte sich in die Planungen ein, wollte über alles informiert sein und behinderte damit den Baufortgang. Außerdem fehlte es zur Vollendung am Geld, die ArbeiterInnen forderten Mindestlohn und durch den Ersten Weltkrieg waren viele Materialien – zum Beispiel Marmor oder Kupfer – nur schwer erhältlich.

Schlussendlich wurden vom Kaiserforum nur die Hofmuseen sowie der Trakt der Neuen Burg verwirklicht, welcher erst 1913 fertiggestellt wurde und heute die Österreichische Nationalbibliothek, das Museum für Völkerkunde sowie das Ephesosmuseum beherbergt.

Julia Teresa Friehs