1857–1913

Die naturhistorischen Sammlungen

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Amsel, Drossel, Fink und Star – die kaiserliche Naturaliensammlung förderte nicht nur Kronprinz Rudolfs ornithologische Interessen. Ab 1889 waren die Bestände im neuen Gebäude öffentlich zu bestaunen.

Die naturhistorische Sammlung geht auf Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen, Maria Theresias Ehemann, zurück. Er erwarb 1750 von dem Florentiner Gelehrten Johann Ritter von Baillou (1684–1758) die damals größte Naturaliensammlung mit etwa 30.000 Objekten. Nach dem Tod ihres Ehemannes übergab Maria Theresia die naturwissenschaftliche Sammlung ins Eigentum des Staates.

Die Naturaliensammlung war im 18. Jahrhundert in der Hofburg aufgestellt. Hier gab es seltene Schnecken, Korallen, Fossilien, Muscheln, Edelsteine und Mineralien zu bestaunen. Sogar eine Giraffe fand man im Museum: Für diese musste an ihrem Aufstellungsort am Josefsplatz eigens ein Loch in die Decke geschlagen werden.

 

Durch zahlreiche Neuerwerbungen und Eingänge infolge von Expeditionen waren die Räumlichkeiten in der Hofburg zu klein geworden. Im Zuge der Schleifung der Basteien und der Errichtung der Ringstraße sollten auch die naturwissenschaftlichen Sammlungen eine neue Heimat bekommen: das Naturhistorische Museum, das am 10. August 1889 von Kaiser Franz Joseph feierlich eröffnet wurde.

Kronprinz Rudolf wurde von dem angesehenen Wissenschaftler Ferdinand von Hochstetter (1829–1884), ab 1876 Direktor des Naturhistorischen Hofmuseums in Wien und wesentlich für die Konzeption des Museums an der Ringstraße, etwa die Einteilung in Abteilungen, persönlich in Naturkunde unterrichtet. Rudolf wurde selbst ein anerkannter Ornithologe, der auf diesem Gebiet publizierte und dem Museum zeitlebens verbunden blieb.

Julia Teresa Friehs