1278–1918

Die Anfänge – die mittelalterliche Hofburg

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Die Anfänge der Wiener Hofburg, die sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem der größten Palastkomplexe Europas entwickeln sollte, waren wie die des Hauses Habsburg bescheiden. Der mittelalterliche Ursprungsbau war ein viertürmiges Kastell, umgeben von einem Graben und Vorwerken, und diente zur Verstärkung der Stadtbefestigung.

Der älteste Kern der Anlage ist der sogenannte Schweizerhof. Dessen Name bezieht sich nicht auf die alemannischen Ursprünge der Habsburger, sondern auf die Schweizer Söldner, die als Leibwachen Kaiser Franz Stephans von Lothringen in Wien stationiert waren. Diese mit der päpstlichen Garde vergleichbare Institution wurde nach seinem Tod wieder aufgelassen, blieb aber für den innersten Hof der Burg bis heute namengebend.

Das genaue ‚Geburtsdatum‘ der Hofburg ist umstritten: lange Zeit nahm man an, dass die Anlage auf Ottokar II. Přemysl zurückging, während dessen Herrschaft in Österreich die Burg 1275 nachweislich fertiggestellt worden war. Nach neuesten Forschungen wird jedoch die Initiative für die Errichtung einer Stadtburg an dieser Stelle mit der Stadterweiterung unter den letzten Babenbergern im frühen 13. Jahrhundert in Zusammenhang gebracht.

Bereits Rudolf I. nahm nach der Schlacht am Marchfeld hier Quartier, der Ausbau zum habsburgischen Herrschaftszentrum begann jedoch erst unter Herzog Albrecht II., der 1339 Wien zu seiner ständigen Residenz machte.

Im Jahre 1458 teilten sich Friedrich III., sein Bruder Albrecht VI. und deren Cousin Herzog Sigmund die Herrschaft über die habsburgischen Länder. Auch an der Wiener Burg erhielt jeder einen Anteil. Das problematisches Nebeneinander und die innerfamiliäre Konkurrenz zwischen den Linien der Habsburger wurden überschattet von den Turbulenzen des 15. Jahrhunderts, die die Verwendung der Wiener Burg als sichere und dauerhafte Residenz faktisch unmöglich machten. 1462 wurde Friedrich sogar von seinem Bruder und aufgebrachten Wiener Bürgern in der Burg belagert, später besetzte sein großer Gegenspieler, der ungarische König Matthias Corvinus Wien, der hier 1490 auch starb. Friedrich war gezwungen, nach Wiener Neustadt, Graz und Linz auszuweichen.

In späterer Zeit wurde der ursprüngliche gotische Baubestand von Umbauten der Renaissance und des Barock überdeckt. So wurden zum Beispiel die markanten Türme abgetragen oder überbaut. Der Graben ist heute nur mehr in Resten erkennbar.

Der Grundstock blieb jedoch als Symbol des habsburgischen Traditionalismus erhalten: Über den innersten Hof, in den die Zufahrt mit Kutschen nur mit besonderer Erlaubnis gestattet war, gelangte man in das Zeremonialappartement im Leopoldinischen Trakt. Somit war der Schweizerhof nicht nur der älteste, sondern zugleich auch der höchstrangige Hof der kaiserlichen Residenz.

Martin Mutschlechner