1857–1913

Die Paläste der Künste und der Wissenschaft

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Der Kaiser lässt im Umfeld seiner Hofburg zwei monumentale Museumsbauten – das Kunsthistorische und das Naturhistorische Museum – errichten. Diese sind vor allem Denkmäler für die kaiserliche Sammeltätigkeit und erst sekundär Bauten für Kunst und Wissenschaft.

Das muss eine außerordentlich schwierige Aufgabe gewesen sein; Ich freue mich immer, wenn ich etwas von Ihnen sehe.

Zit. nach Bischoff, Cäcilia: Das Kunsthistorische Museum. Baugeschichte, Architektur, Dekoration, Wien 2008, 74

Am 17. Oktober 1891 eröffnete Kaiser Franz Joseph das neu errichtete Kunsthistorische Museum. Pünktlich um 11 Uhr fuhr er vor. Zweieinhalb Stunden lang besichtigte er gewissenhaft und gründlich die Sammlungen. Anschließend ließ er sich die am Bau beteiligten Künstler, Industriellen und Werkmeister persönlich vorstellen. Der Kaiser drückte seine Zufriedenheit mit diplomatischer Zurückhaltung aus: „Es ist alles sehr schön ausgefallen – der Bau ist ebenso schön als die Einteilung praktisch. Die Gegenstände kommen jetzt erst zur vollen Geltung.“

Bevor es allerdings so weit war und die bislang in der Hofburg unzureichend aufbewahrten, überquellenden kaiserlichen Sammlungen einen geeigneten Rahmen gefunden hatten, war reichlich Zeit vergangen: Mehr als zehn Jahre hatte die kostspielige Bauzeit der beiden Hofmuseen gedauert. Neue Gebäude für seine Sammlungen hatte sich Franz Joseph schon seit dem Beginn der Gestaltung der Ringstraße gewünscht. 1864 wurde entschieden, gegenüber der Hofburg ein Kunsthistorisches und ein Naturhistorisches Museum zu errichten. 1871 begann man mit der Ausführung der beiden einander gegenüberliegenden, fast identischen Kuppelbauten der Hofmuseen im Stil der italienischen Renaissance. 1881 war der Außenbau der beiden Museen schließlich fertig.

Die prächtige Innenausstattung sollte entsprechend der historistischen Auffassung mit der Architektur zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen. Die Ausschmückung des Kunsthistorischen Museums zog sich bis 1891 hin. Ursprünglich war Hans Makart für die Malerei des Stiegenhauses vorgesehen. Nach seinem Tod übernahm Gustav Klimt gemeinsam mit seinen Kollegen der Künstlerkompanie – seinem Bruder Ernst sowie Franz Matsch – die Gestaltung der Zwickelbilder. Die drei jungen Künstler erhielten den Auftrag, da dem Kaiser die Bilder, welche sie kurz zuvor im Burgtheater beendet hatten, so gut gefielen.

Julia Teresa Friehs