Zum Heil und zum Trost der Kranken

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Unter diesem Motto, das noch immer über dem Eingangstor des heutigen Universitäts-Campus prangt, eröffnete Kaiser Joseph II. im Jahr 1784 das Allgemeine Krankenhaus.

Nach dem Vorbild des französischen Zentralspitals Hôtel Dieu in Paris, das Joseph II. auf seinen Reisen kennen gelernt hatte, sollte nun auch in Wien das Armenhaus zum Allgemeinen Krankenhaus umgebaut werden. Allerdings war der Bau eines Großkrankenhauses damals sehr umstritten. Die hohe Ansteckungsgefahr und das ‚Hospitalfieber‘, dem viele PatientInnen im Pariser Zentralspital erlagen, alarmierte die Ärzte Wiens, weswegen sie sich vielfach für Kleinspitäler aussprachen. Das Hôtel Dieu beherbergte damals 5.000 Kranke in etwa 1.200 Betten, wobei drei bis vier PatientInnen sich so genannte ‚große Betten‘ teilen mussten. Joseph II., dem diese Verhältnisse bekannt waren, handelte nach der Devise: „Jedem sein eigenes Bett“. Bei der Eröffnung des Allgemeinen Krankenhauses im Jahre 1784 standen den PatientInnen 2.000 Betten zur Verfügung. So zählte das Allgemeine Krankenhaus zu den größten und modernsten Spitälern Europas.

Mit dieser Krankeninstitution vollzog sich in Österreich der Übergang von der zersplitterten kirchlichen und städtischen Fürsorge zur ‚Staats-Caritas‘ – einer nun staatlichen und zentral organisierten Gesundheitsfürsorge. Das Krankenhaus stand allen offen, durch Zahlung von Krankengeld kam es zur sozialen Ausdifferenzierung in erste, zweite und dritte Klasse. Der zuletzt genannten wurde ein Mindestmaß an Hygiene beschert. Das Allgemeine Krankenhaus hatte nun in einer zentralen Anlage fünf Abteilungen inkorporiert: das allgemeine Krankenspital, das Gebär- und Findelhaus, das Tollhaus und die Siechenhäuser - eine Art Quarantänestationen, um die Bevölkerung vor ansteckenden Krankheiten und eventuellen Epidemien zu schützen.

Anita Winkler