"Wasser, mäßig genossen, ist unschädlich"

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Johann Wolfgang Goethe, Maria Feodorowna, die Witwe des Zaren Alexander III., König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, Friedrich Schiller, Clemens Wenzel Lothar Fürst Metternich, der Ökonom Karl Marx mit Tochter Eleonor, Ludwig van Beethoven, Otto von Bismarck, Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph I. – sie alle zählen zu den berühmten Kurgästen von Karlsbad.

Bereits seit dem Mittelalter suchten viele Habsburger verschiedene warme Quellen zur Heilung ihrer Beschwerden auf, vor allem Gastein (im heutigen Bundesland Salzburg). Durch den Kuraufenthalt sollten Leiden wie Stoffwechselstörungen, Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, die meist durch die einseitige Ernährung während der Wintermonate hervorgerufen wurden, und rheumatische Beschwerden gelindert werden. Maria Theresia bezeichnete Thermalbäder als „natürliche Gesundheitsapotheken“.

Von medizinischer Seite wurden Trinkkuren und Kuraufenthalte zum zentralen Bestandteil der im 18. Jahrhundert florierenden balneologischen Forschungen. Neben der Frage der Gesundheit stand stets aber auch die Unterhaltung der Kurgäste im Vordergrund. Besonders beliebt bei HerrscherInnen, Adel und später dem Großbürgertum war im 18. Jahrhundert das böhmische Karlsbad, benannt nach Karl IV. (1316 bis1378). Luxushotels, Kasinos und gesellschaftliche Rahmenprogramme im unmittelbaren Umfeld sollten einen mondänen Kuraufenthalt garantieren. Nicht zu Unrecht bezeichnete Johann Wolfgang von Goethe Karlsbad als „Schachbrett Europas“, wo Geschäftsabschlüsse ebenso an der Tagesordnung standen wie Liebesaffären. So genannte „Sprudel-Kavaliere“, die offiziell angekündigt wurden, taten ihr Nötiges dazu. Einen solcherart geselligen und freizügigen Kuraufenthalt konnte sich allerdings nur ein kleiner Teil der Gesellschaft leisten, die hohen Kurtaxen waren ganz im Sinne der Elite. So echauffierten sich die edlen Badegäste im 19. Jahrhundert über die zunehmende Vermischung von Bourgeoisie und Adel. Diese ersten Ansätze von Badetourismus sind letztlich auch auf die guten verkehrstechnische Anbindung an die Eisenbahn zurückzuführen.

Anita Winkler