Napoleon und Marie Louise: Brautwerbung und Hochzeit in Wien

Johann Baptist Hoechle und Hoftheater-Dekorateur Janitz: Trauung per procurationem in der Wiener Augustinerkirche, Gemälde, 1813/14

Bei den Österreichern löste die Nachricht, dass "ihre" Prinzessin den "Erzfeind" heiraten müsse zunächst Entsetzen aus, doch schon bald begann man die Vorteile des Handels zu erkennen.

Johann Baptist Hoechle und Hoftheater-Dekorateur Janitz: Trauung per procurationem in der Wiener Augustinerkirche, Gemälde, 1813/14

Vor allem hoffte man, dass diese Ehe nun endlich den ersehnten Frieden bringen würde. So wurde der französische Marschall Berthier mit großem Jubel empfangen, als er als Sonderbotschafter Napoleons in Wien eintraf, um bei Kaiser Franz offiziell um die Hand Marie Louises anzuhalten und den Bräutigam bei den anschließenden Vermählungsfeierlichkeiten zu vertreten. Marie Louise hingegen wurde als „neue Iphigenie“ gefeiert, die ihr persönliches Glück dem Wohl des Volkes opferte.

Am Abend des 11. März 1810 strömten Massen von Schaulustigen aus dem In- und Ausland zusammen, um den Hochzeitszug durch die Wiener Hofburg und die anschließende Trauung zu sehen. „Die wirklich außerordentliche Menge an Diamanten und Perlen, der Reichtum der Kleider und der Uniformen, die unendliche Zahl von Lustern, die alle Teile des Palastes erleuchteten, und die Freude der Anwesenden verliehen diesem Fest einen Glanz, der des großen und majestätischen Anlasses würdig war“, berichtete ein Augenzeuge. In der reich geschmückten Augustinerkirche gab Marie Louise schließlich dem durch Erzherzog Karl vertretenen Bräutigam das Jawort. Da man vergessen hatte, Napoleons Fingermaß nach Wien zu schicken, wurden dabei 11 Ringe unterschiedlicher Größe geweiht, um bei der endgültigen Trauung in Paris einen passenden Ehering für ihn zu haben.

Monica Kurzel-Runtscheiner