Marie Louise – eine Kindheit im Schatten der Weltpolitik

Lorenzo Bartolini (nach Francois Joseph Bosio): Büste der Kaiserin Marie Louise, um 1811

Kindheit und Jugend der 1791 in Wien geborenen Erzherzogin Marie Louise waren überschattet von den turbulenten und für das österreichische Kaiserhaus oft traumatischen Ereignissen der Weltpolitik.

Lorenzo Bartolini (nach Francois Joseph Bosio): Büste der Kaiserin Marie Louise, um 1811

Dazu gehörten die Hinrichtung ihrer Tante Marie Antoinette (1793), die Vertreibung ihrer Verwandten aus deren italienischen Fürstentümern (1796-98), der Verlust wichtiger Provinzen ihres Vaterlandes und die mehrmalige Besetzung ihrer Heimatstadt Wien durch die Franzosen (1805, 1809). Der „Erzfeind“, der an all diesen Schicksalsschlägen Schuld zu sein schien, hieß Napoleon Bonaparte.

Marie Louises Vater Kaiser Franz war den außergewöhnlichen politischen und militärischen Herausforderungen seiner Zeit kaum gewachsen. So lag die tatsächliche Macht bald in den Händen anderer, wie dem ehrgeizigen und geschickten Politiker Clemens von Metternich oder dem militärisch hochbegabten Erzherzog Karl. Der Kaiser selbst sah sich eher in der Rolle eines liebvollen Vaters seiner Völker und auch seinen eigenen Kindern schenkte er mehr Zeit und Zuwendung, als in Herrscherkreisen damals üblich war. Ein besonders enges Verhältnis verband ihn mit seiner ältesten Tochter Marie Louise, die allgemein als sein Lieblingskind galt. So wuchs sie, gemeinsam mit ihren Geschwistern, trotz der permanenten Kriege, die die Familie sogar zweimal zur Flucht aus Wien zwangen, in einer geradezu  bürgerlich-beschaulichen Welt auf.

Monica Kurzel-Runtscheiner