Napoleon auf Brautschau

Druckversion

Die Vorgeschichte der Hochzeit war wenig romantisch – bei der Anbahnung der Ehe standen politische und dynastische Erwägungen im Vordergrund.

Napoleons 1796 geschlossene Ehe mit Josephine de Beauharnais war kinderlos geblieben, weshalb immer wieder Gerüchte aufkamen, er werde sich scheiden lassen, um eine neue Dynastie gründen zu können. Doch erst als 1809, während der Besatzung Wiens, Napoleons Geliebte Maria Walewska in Schönbrunn von ihm schwanger wurde, konnte er sicher sein, dass die Kinderlosigkeit seiner Ehe nicht ihm selbst anzulasten war. Nun entschloss er sich zur Trennung von Josephine und hinter den Kulissen wurde eifrig nach einer neuen Ehefrau gesucht. Da für den Kaiser der Franzosen nur eine Prinzessin des russischen oder des österreichischen Kaiserhauses in Frage zu kommen schien, sah der Außenminister des besiegten Österreich, Clemens von Metternich, hier eine Chance, Erleichterungen der harten Friedensbedingungen zu erlangen. Zugleich hatte er größtes Interesse, eine für sein Land bedrohliche Allianz zwischen Frankreich und Russland zu verhindern. Der Zar hingegen zeigte keinerlei Interesse, seine erst 13jährige Schwester mit dem französischen Usurpator zu verheiraten.

Als die kaum 18jährige Marie Louise Ende 1809 von der Scheidung Napoleons erfuhr, schien ihr die Aussicht, ihn nun womöglich heiraten zu müssen „eine schlimmere Qual als alle nur denkbaren Martyrien“ zu sein. Doch obwohl sie ihrem Vater gestand, dass sie sich in einen Verwandten, Erzherzog Franz von Modena-Este verliebt hatte, musste sie sich schlussendlich der Staatsraison beugen und die von Metternich eingefädelte Ehe mit dem „Erzfeind“ akzeptieren.

Monica Kurzel-Runtscheiner