Mutige Vorreiter. Die Republik wird ausgerufen

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Zwei Journalisten riefen am 18. Mai 1848 die Republik aus. Eine tollkühne Aktion, die aber folgenlos blieb

1918 ist den ÖsterreicherInnen als Gründungsjahr der 1. Republik geläufig. Weniger bekannt ist, dass bereits 70 Jahre zuvor, im Mai 1848, Leopold Häfner und Joseph Tuvora, beide Herausgeber der Zeitschrift „Constitution“, erstmals in Wien die Republik proklamierten. Unter dem Vorwand, der Kaiser sei entführt worden, riefen sie zur Verteidigung der Freiheit auf und forderten die Einsetzung einer provisorischen Regierung. Die Proklamation blieb strafrechtlich folgenlos. Sie stieß allerdings bei der Bevölkerung auf Unverständnis, da man sich unter dem Begriff der „Republik“ nur wenig vorstellen konnte. Die beiden Redakteure wurden noch am selben Tag in eine Schlägerei verwickelt und fassten dafür eine Gefängnisstrafe aus. Dieser provokative Akt war bezeichnend für eine Zeit, in der Schlagwörter kursierten, über deren Bedeutung und Umsetzung man sich alles andere als einig war.

Anita Winkler