Konfliktpotenzial Bevölkerung: Der Kampf beginnt…

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Revolutionen, Armut, Arbeitslosigkeit, Hungersnot und Bevölkerungszuwachs schürten die aufgeheizte Stimmung in der Monarchie. Bevölkerungsschichten begannen, sich in Ansätzen zu organisieren.

Der Kampf um die „Menschenrechte“ und politische Mitsprache prägte die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ebenso wie die sozialen Missstände, die sich im Zuge der Industrialisierung verstärkten: Arbeitslosigkeit, Hungersnöte, Verelendung und Alkoholismus gefährdeten die Existenz vieler StadtbewohnerInnen. Der starke Zuzug in die Städte – Wiens Bevölkerung wuchs zwischen 1827 und 1847 um etwa 43 Prozent – bedingte hohe Arbeitslosenzahlen. Viele Arbeitsplätze wurden zudem ‚wegrationalisiert‘, Menschen wurden durch Maschinen ersetzt. Die Landwirtschaft konnte die anwachsende Bevölkerung nicht ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgen. Gleichzeitig waren innerhalb des Bürgertums finanzkräftige Gesellschaftsschichten entstanden, die dem Adel materiell um nichts nachstanden und dieselben Rechte einforderten. Außenpolitische Ereignisse wie die Februarrevolution 1848 in Frankreich und Ludwig Kossuths Aufstand in Ungarn wurden zum Vorbild für Österreichs Revolution von 1848. Mit Petitionen und der Märzrevolution forderte die Bevölkerung vehement die Aufhebung der Zensur, die politische Mitsprache und den Rücktritt Metternichs, der zum Inbegriff des absolutistischen Systems geworden war. Die Habsburger kamen zwar diesen Forderungen unmittelbar nach, doch nicht im Sinne aller Bevölkerungsschichten. Der Kampf um die politische Mitsprache wurde fortgesetzt. Es folgte eine turbulente Zeit der gesellschaftlichen Umbrüche und der Parteienbildung, bis ein gleiches Wahlrecht etabliert werden konnte.

Anita Winkler