Im Zeichen des Kreuzes

Reichskreuz, um 1024/25; Fuß um 1325

Reichskreuz, um 1024/25; Fuß um 1325

Kreuzpartikel, Fassung und Behälter um 1350

Hans Jakob Mair: Sternkreuzordensmonstranz, um 1668

Das Kreuz ist das Symbol des Christentums schlechthin – die Kreuzesverehrung stand daher auch in der Herrschaftsideologie der Habsburger, die sich stets als besonders glaubensfürchtige Monarchen verstanden, im Mittelpunkt.

Reichskreuz, um 1024/25; Fuß um 1325

Reichskreuz, um 1024/25; Fuß um 1325

Kreuzpartikel, Fassung und Behälter um 1350

Hans Jakob Mair: Sternkreuzordensmonstranz, um 1668

Der Kreuzeskult der Habsburger hatte mehrere Ursprünge, die bereits eine spätantik-frühchristliche Tradition aufweisen. So soll Kaiser Konstantin dem Großen in der Schlacht auf der Milvischen Brücke ein Sieg unter dem christlichen Kreuzsymbol prophezeit worden sein („in hoc signo vinces“ – deutsch: „In diesem Zeichen sollst Du siegen!“). Daher spielt die Kreuzesverehrung auch in den Insignien des heiligen Römischen Reiches eine zentrale Rolle, etwa in der Kreuzreliquie, die angeblich ein Stück des Kreuzes Christi enthält sowie der heiligen Lanze, die ebenfalls mit der Kreuzigung in Zusammenhang gebracht wurde und in die ein Nagel, mit dem laut Legende Christus gekreuzigt wurde, eingearbeitet ist.

Ebenfalls mittelalterliche Ursprünge hat der Kreuzzugsgedanke, der in der Zeit der Türkenkriege von den Habsburgern als Topos wieder aufgegriffen wurde, als sich die Dynastie als Verteidiger des Abendlandes vor dem Islam stilisierte.

Aber auch in den habsburgischen Familientraditionen spielt das Kreuz eine identitätsstiftende Rolle: der Überlieferung nach soll der erste Kaiser aus dem Haus Habsburg, Rudolf I., bei der Krönung anstelle des unauffindbaren Szepters ein einfaches Holzkreuz genommen und gesagt haben, das Kreuz sei von nun an sein Szepter.

Ein ebenso einfaches Kruzifix soll zu Kaiser Ferdinand II. gesprochen haben, als dieser  1619 von einer Abordnung protestantischer Adeliger bedrängt wurde, die durch diese „Sturmpetition“ die prekäre Lage des Habsburgers während des böhmischen Ständeaufstandes für religionspolitische Zugeständnisse nutzen wollten. Einer der Anführer soll den Kaiser in heftiger Erregung gepackt und ihn ganz gegen das Zeremoniell mit dem Ruf „Nandl, gib dich und unterschreib’!“ zur Unterschrift genötigt haben. Daraufhin hätte das Kruzifix, das Ferdinand als Zeichen seiner Demut immer um sich hatte, die klar verständlichen Worte: „Ferdinande, non Te deseram“ (Ferdinand, ich werde Dich nicht verlassen) von sich gegeben. Im selben Moment traf ein Trupp kaiserlicher Kürassiere in der Hofburg ein, und die Protestanten ergriffen die Flucht.  Das Kruzifix wurde in der Folge hoch verehrt und in Notzeiten oder in der Sterbestunde den Habsburgern gereicht, bis es von Maria Theresia als demonstratives Zeichen habsburgischer Kreuzesverehrung in den Tabernakel der Hofburgkapelle in der Wiener Hofburg eingefügt wurde.

Eine weitere Ausformung habsburgischer Kreuzesverehrung stellt der Sternkreuzorden dar. Nach dem Brand in der Hofburg 1668, bei dem die Kaiserinwitwe Eleonora nur mit Not vor dem Flammen gerettet werden konnte, wurde im Schutt ein auf wundersame Weise unversehrt gebliebenes Partikel des Heiligen Kreuzes wiedergefunden. Zur dankbaren Erinnerung daran stiftete Kaiserin Eleonora den Sternkreuzorden als höchste Auszeichnung für Damen am Kaiserhof. Der Name bezieht sich auf das Ordenssymbol, ein goldenes Kreuz, das von vier Diamantsternen umgeben war mit der Aufschrift: „Salus et Gloria“ (Heil und Ruhm).  Der Orden, dessen Ziel in der Vertiefung der Kreuzesverehrung und in Werken der Nächstenliebe bestand und dessen Oberhaupt stets die regierende Kaiserin war, existiert in abgewandelter Form bis heute.

Martin Mutschlechner