Der „Brückenheilige“ und das Haus Habsburg

Giovanni Battista Pittoni: Hl. Johannes von Nepomuk. Seitenaltarbild der Schlosskapelle Schönbrunn, um 1735

Die Verehrung des hl. Johannes von Nepomuk, der als Beichtvater der böhmischen Königin das Beichtgeheimnis nicht preisgeben wollte, begann kurz nach seinem Martyrium 1393. Bis zur Heiligsprechung und der offiziellen Legitimierung des Kultes sollte es allerdings noch bis ins Jahr 1729 dauern.

Giovanni Battista Pittoni: Hl. Johannes von Nepomuk. Seitenaltarbild der Schlosskapelle Schönbrunn, um 1735

Unterstützt wurde die Kanonisierung von Kaiser Karl VI. und seiner Frau Elisabeth Christine. Beide richteten Briefe an Papst Benedikt XIII., in denen sie die Verehrung von Johannes von Nepomuk befürworteten. Am kaiserlichen Hof, so Elisabeth Christine, trage beinahe jede Person ein Bild Johannes von Nepomuks in Form eines Schmuckstückes. Tatsächlich führte auch Elisabeth Christine immer sein Bild mit sich und sie verschenkte gerne kleine mit Diamanten verzierte Darstellungen des böhmischen Heiligen.

Obwohl seine Verehrung bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts bereits weit verbreitet und tief im Volksglauben verankert war, führte die Kanonisierung zu einem weiteren Aufschwung. Der Heiligenfesttag wurde jährlich mit mehrtägigen Andachten, Prozessionen, Bootsfahrten und Illuminationen gefeiert und in vielen Kirchen wurden neue Altarbilder und Skulpturen angebracht. Mitte des 18. Jahrhunderts gab es in Wien beinahe keine Kirche, in der nicht zumindest eine Darstellung des Heiligen zu sehen war. Unzählige Statuen und kleine Kapellen, die an das Martyrium und den Brückensturz des Märtyrers erinnern sollten, wurden auf und bei Brücken errichtet. Diese Denkmale prägen bis heute die europäische Sakrallandschaft und trugen Johannes von Nepomuk schließlich den Beinamen „Brückenheiliger“ ein.

Ob in Form von kleinen Andachtsbildern, großformatigen Altargemälden oder Skulpturen im öffentlichen Raum waren Bildmedien ein wichtiger und zentraler Bestandteil der barocken Heiligenverehrung. Am „Bildkult“ des hl. Johannes von Nepomuk, der von seiner großen Beliebtheit zeugt, war auch das Kaiserhaus beteiligt. So ließ beispielsweise Kaiserinwitwe Wilhelmine Amalie um 1735 in der Schlosskapelle von Schönbrunn ein Altarbild des Heiligen von Giovanni Battista Pittoni einfügen. Und Karl VI. ließ im Veitsdom in Prag ein neues, imposantes Silbergrabmal errichten. Die Verehrung des böhmischen Landespatrons an diesem zentralen Ort des Nepomuk-Kultes hatte Tradition im Haus Habsburg: Bereits Ferdinand I. soll am Grab Nepomuks niedergekniet sein.

Es war nicht nur der pure Glaubenseifer dieser katholischen Herrscher, der sie veranlasste, die Kanonisierung voranzutreiben und kostbare Kunstwerke zu Ehren des neuen Heiligen zu stiften. Die Habsburger nutzten auch das politische Kapital, das der Kult des hl. Johannes von Nepomuk als böhmischer Landespatron und als beliebtester Barockheiliger in sich barg.

Stefanie Linsboth