Allegorie auf das Toleranzedikt, Kupferstich, 18. Jahrhundert

Der greise Franz Joseph im Gebet, umgeben von Darstellungen verstorbener Familienmitglieder, Propagandapostkarte aus dem Ersten Weltkrieg

Betschemel Franz Josephs aus seinem Schlafzimmer in Schönbrunn, Fotografie, 1916

Kaiser Karl, Postkarte, 20. Jahrhundert

Für Gott, Kaiser und Vaterland

Allegorie auf das Toleranzedikt, Kupferstich, 18. Jahrhundert

Der greise Franz Joseph im Gebet, umgeben von Darstellungen verstorbener Familienmitglieder, Propagandapostkarte aus dem Ersten Weltkrieg

Betschemel Franz Josephs aus seinem Schlafzimmer in Schönbrunn, Fotografie, 1916

Kaiser Karl, Postkarte, 20. Jahrhundert

Die Verbindungen zwischen Thron und Altar waren im Reich der Habsburger auch nach der Gegenreformation stets sehr eng, der Katholizismus de facto Staatsreligion. Die Habsburger blieben treue Parteigänger der römischen Kirche. Umgekehrt sahen die Habsburger in der Kirche einen verlängerten Arm ihrer Macht.

Allegorie auf das Toleranzedikt, Kupferstich, 18. Jahrhundert

Der greise Franz Joseph im Gebet, umgeben von Darstellungen verstorbener Familienmitglieder, Propagandapostkarte aus dem Ersten Weltkrieg

Betschemel Franz Josephs aus seinem Schlafzimmer in Schönbrunn, Fotografie, 1916

Kaiser Karl, Postkarte, 20. Jahrhundert

Maria Theresia wird zumeist als aufgeklärte Monarchin beschrieben. Viele ihrer Reformen nahmen auch wirklich Gedanken der Aufklärung auf. Ihre religiöse Verwurzelung war tief, aber ebenso wie vieles an ihrer Politik und an ihrer Zeit einem Wandel unterworfen. Erzogen im Sinne der barocken Katholizität mit all der Freude an feierlichen Gottesdiensten und Prozessionen, wandelte sich ihre Religiosität im Sinne des Jansenismus, der eine Verinnerlichung der Frömmigkeit anstrebte.

Eine der zentralen Forderungen der Aufklärung, die religiöse Toleranz, stieß bei Maria Theresia jedoch auf taube Ohren. Die „große Landsmutter“ war keineswegs tolerant gegenüber anderen Religionen, Juden und Protestanten hatten weiterhin mit massiver Verfolgung zu rechnen. Erst die Toleranzpatente Josephs II. gaben orthodoxen und evangelischen (Lutheranern und Kalvinisten) Christen sowie Juden die Möglichkeit, ihren Glauben ungehindert zu praktizieren. Damit wurde allerdings keine völlige Gleichstellung der Konfessionen erreicht, nach wie vor blieb der Katholizismus die beherrschende Staatsreligion.

Joseph II. strebte nüchterne und rationalistische Veränderungen im kirchlichen Bereich an. Zu den Reformmaßnahmen zählten die Einschränkung des Wallfahrtswesens und die Einführung eines schlichteren liturgischen Zeremoniells. Besonders seine Klosteraufhebungen und die parallel dazu erfolgte Reorganisation des Pfarr- und Diözesannetzes gestalteten die Kirche stark um.

Im 19. Jahrhundert wandten sich die Habsburger wieder vom Josephinischen Staatskirchentum ab und sahen in einer starken katholischen Kirche eine Waffe gegen Liberalismus und Nationalismus. So waren Kaiser Franz Josephs Erziehung und Politik stark vom Katholizismus geprägt. Das Bündnis von Thron und Altar fand seinen Höhepunkt im Konkordat, das Franz Joseph 1855 mit dem Papst abschloss. Dabei gewann die Kirche in der Habsburgermonarchie eine enorm starke Stellung, sie bestimmte z. B. das Eherecht und hatte maßgeblichen Einfluss auf den Lehrplan der Schulen. Auch nach der Aufkündigung des Konkordats 1870 unterstützte der Kaiser soweit als möglich die Kirche im Kampf gegen die Liberalen, die eine vollständige Trennung von Staat und Kirche anstrebten.

Dass sich das Haus Habsburg auch heute noch als katholische Dynastie definiert und die Familie durchaus noch über Einfluss in konservativen und kirchlichen Kreisen verfügt, lässt sich an der Seligsprechung des letzten Kaisers Karl I. ablesen. Bereits 1922, ein Jahr nach dem Tod Karls, wurde dessen Heiligsprechung angeregt. Eine Kaiser-Karl-Gebetsliga bildete sich, die Beweise für die Heiligkeit des Kaisers zusammentrug. Am 3. Oktober 2004 wurde Karl schließlich durch Papst Johannes Paul II. seliggesprochen – nicht unumstritten angesichts einiger diskussionswürdiger Entscheidungen des Kaisers (Stichwort Giftgas) als Oberster Kriegsherr im Ersten Weltkrieg.

Martin Mutschlechner