Johann Elias Riedinger: Maria Theresia zu Pferd, Kupferstich, um 1750

Johann Elias Riedinger: Franz I. Stephan zu Pferd, Kupferstich, um 1750

Franz I. Stephan als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches in reichem Dekor mit Doppeladler, Wappen und Insignien, Mezzotint

Königin Maria Theresia wird ihrer Kleider beraubt, Kupferstich, 1742

Habsburgs Erbin gegen die europäische Männerwelt

Johann Elias Riedinger: Maria Theresia zu Pferd, Kupferstich, um 1750

Johann Elias Riedinger: Franz I. Stephan zu Pferd, Kupferstich, um 1750

Franz I. Stephan als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches in reichem Dekor mit Doppeladler, Wappen und Insignien, Mezzotint

Königin Maria Theresia wird ihrer Kleider beraubt, Kupferstich, 1742

Nur wenige Wochen nach Maria Theresias Regierungsantritt begann Friedrich II. von Preußen einen Krieg gegen die Habsburger, dem sich auch Bayern, Sachsen, Pfalz, Frankreich, Sardinien und Spanien anschlossen.

Ich richtete meinen Blick auf das Ableben des Kaisers, des letzten habsburgischen Fürsten; er hinterließ seiner Tochter eine strittige Nachfolge, der Thron des Cäsaren wurde frei. (…) Rechnet man zu all diesen Beweggründen noch den Reiz eines zahlreichen und mobilen Heeres, die gute Ordnung der Finanzen, die großen Reichtümer, die den Schatz der Krone füllten (und vielleicht die Begierde, mir einen Namen zu machen), so kennt man alle Gründe, die ich hatte, Maria Theresia, der Königin von Ungarn und Böhmen, den Krieg zu erklären.

Friedrich II. von Preußen schildert 1746 rückblickend seine Motive für den Angriff auf Schlesien

Johann Elias Riedinger: Maria Theresia zu Pferd, Kupferstich, um 1750

Johann Elias Riedinger: Franz I. Stephan zu Pferd, Kupferstich, um 1750

Franz I. Stephan als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches in reichem Dekor mit Doppeladler, Wappen und Insignien, Mezzotint

Königin Maria Theresia wird ihrer Kleider beraubt, Kupferstich, 1742

Obwohl Karl VI. mit der Pragmatischen Sanktion die Erbfolge seiner Tochter Maria Theresia geregelt hatte, trat nach seinem Tod das schlimmste Szenario aus habsburgischer Sicht ein: Bayern, Sachsen und Preußen wollten die Pragmatische Sanktion nicht voll anerkennen. Alle Zeichen standen auf Krieg, und am 16. Dezember 1740 nahm eine 30.000 Mann starke preußische Armee Schlesien ohne Widerstand ein. Ein Kompromissangebot Friedrichs II. lehnte Maria Theresia ab. Es folgte eine Reihe von kriegerischen Auseinandersetzungen mit zwischenzeitlichen Waffenstillständen, in die zahlreiche europäische Mächte involviert waren: der Österreichische Erbfolgekrieg.

Am 10. April 1741 fand bei Mollwitz die erste Schlacht statt, die mit einem Sieg für Preußen endete. Maria Theresias Gegner wurden dadurch beflügelt. Im Herbst 1741 folgte der nächste Schock für die Habsburger: Ein französisch-bayrischer Angriff führte zur Besetzung Oberösterreichs und Prags – unter geringer Gegenwehr der lokalen Bevölkerung. Sollten sich die ‚Besetzten‘ gar gefreut haben über die Aussicht, die Habsburger loszuwerden? Die Untertanen Schlesiens, Böhmens und Oberösterreichs wurden jedenfalls des „Verrats“ an den Habsburgern verdächtigt.

Auf politischer Ebene folgte ebenfalls eine schwere Niederlage: Nicht Franz Stephan, sondern der Wittelsbacher Karl Albrecht wurde im Jänner 1742 als Karl VII. zum Kaiser gewählt. Militärisch gelang jedoch ein Erfolg: Die österreichische Armee unter Feldmarschall Khevenhüller nahm Oberösterreichs Hauptstadt Linz wieder ein, und am Tag der Kaiserkrönung Karls VII. kapitulierte sogar dessen Hauptstadt München. Im Frühjahr 1743 konnte auch Böhmen zurückerobert werden, woraufhin sich Maria Theresia in Prag mit der von ihr spöttisch als „Narrenhäubl“ bezeichneten Wenzelskrone zur böhmischen Königin krönen ließ. Gegen die böhmischen Kollaborateure mit den Besatzern wurden ‚nur‘ sechs Todesurteile verhängt, von denen keines vollstreckt wurde. Finanziell ließ Maria Theresia aber Böhmen für die freundliche Aufnahme der Bayern büßen.

Als Anfang 1745 Kaiser Karl VII. starb, wurde ein Ausgleich mit Maria Theresia gesucht: Ihr Gatte Franz Stephan wurde zum Kaiser gekrönt. Militärisch folgten aber weitere Niederlagen: Maria Theresia war wiederum zu einem raschen Friedensschluss mit dem verhassten Friedrich II. gezwungen, der Verlust Schlesiens wurde bestätigt. Auf weitere Kampfhandlungen in Belgien, Holland und Italien folgten schließlich Friedensverhandlungen, die 1748 in Aachen abgeschlossen wurden.

Stephan Gruber