Kampf um das spanische Erbe

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Anfang des 18. Jahrhunderts bekriegten sich Österreich und Frankreich um die spanische Krone. Den Thron bekamen schließlich die Bourbonen, doch auch die Habsburger gingen nicht leer aus.

Seht dort Eugen auf seinem kühnen Zuge
Die Franken jagen aus der Lombardei.
Die Alpen bahnen ihm den Weg; im Fluge
Eilt er hinüber, und Turin ist frei.
Marsin in seiner Schanzen weitem Feld
Ist rings zu schwach zu zähem Widerstand.
So bringt durch eine Schlacht der rasche Held
Italien wieder in des Kaisers Hand.

Der preußische König Friedrich II. verfasste ein Gedicht über Prinz Eugens Erfolg gegen die Franzosen in Italien

„Marschieren wir erst, dann werden wir schon Verbündete finden.“ Unter diesem Motto begann Prinz Eugen 1701 im habsburgischen Auftrag den Spanischen Erbfolgekrieg mit einem Feldzug in Italien – ohne Kriegserklärung. Im September des Jahres schlossen sich Österreich, die Niederlande und England zur Großen Allianz gegen den französischen König Ludwig XIV. zusammen. Im Mai 1702 folgte die offizielle Kriegserklärung an Frankreich, das sich mit Bayern verbündete.

Die ersten Kriegsjahre verliefen für die Habsburger recht erfolgreich: 1704 besiegte die Allianzarmee unter Prinz Eugen und John Churchill, Duke of Marlborough, das französisch-bayrische Heer in der blutigen Schlacht von Höchstädt; auf beiden Seiten starben tausende Soldaten. Bayern wurde nun bis zum Ende des Krieges kaiserlich. 1706 gelang Prinz Eugen der spektakulärste Erfolg: Er eroberte mit seinen Soldaten Turin, die Franzosen wurden damit aus Oberitalien verdrängt. Ab 1708 wurde Prinz Eugen zum Kriegseinsatz in die Niederlande geschickt, auch dort konnte er für Siege der kaiserlichen Armee sorgen.

Doch trotz der militärischen Erfolge schritten die Friedensverhandlungen nur zäh voran. Und 1711 kam es zur entscheidenden Kriegswende zuungunsten der Habsburger: Kaiser Joseph I. starb überraschend. Sein Bruder Karl VI. folgte ihm nach. Dieser war jedoch schon spanischer König, wodurch nun die Gefahr einer habsburgischen Übermacht in Europa entstand. England, das am Gleichgewicht der Mächte interessiert war, stieg daraufhin aus dem Bündnis mit den Habsburgern aus, wodurch sich die für Österreich günstige Kriegssituation wendete.

England und die Niederlande schlossen 1712 den Frieden von Utrecht. Kaiser Karl VI. ließ zwar noch weiter Krieg führen, doch zwei Jahre später musste auch er mit Frankreich in Rastatt (in der Nähe von Karlsruhe) Frieden schließen. Ergebnis des Krieges war, dass das spanische Erbe geteilt wurde: Philipp von Anjou, der Enkel des französischen Königs Ludwigs XIV., erhielt Spanien und die Überseekolonien. Auch heute noch stellen die Bourbonen den spanischen König, zur Zeit ist das Juan Carlos I. Karl VI. erhielt die europäischen Nebenländer Spaniens, nämlich Mailand, Mantua, Mirandola, Neapel, Teile der Toskana und Sardiniens sowie die südlichen Niederlande. Somit hatten alle Mächte Gebietsgewinne zu verzeichnen. Die habsburgische Großmacht wurde weiter ausgebaut.

Stephan Gruber