"Erbfeindschaft" mit Frankreich: Karl V. gegen Franz I.

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Habsburg gegen Frankreich – ein blutiger Kampf christlicher Herrscher. Der Konflikt begann um 1500 und dauerte jahrhundertelang an.

Ich glaube kaum, daß ein Türke so grausam ist, daß er den Christen mehr Böses wünschen kann, als sich die Christen gegenseitig zufügen. (…) Für einen christlichen Fürsten ist es ruhmvoller, durch Hergabe irgendeines Gebietsstückes den Frieden und die Ruhe des Staates zu erkaufen, als glänzende und vorteilhafte Triumphe zu erkaufen, die mit dem Unglück so vieler Menschen bezahlt sind.

Der Humanist Erasmus von Rotterdam appelliert Anfang der 1520er Jahre im französisch-habsburgischen Krieg an die Monarchen

Die reichen Buden der Kaufleute sind Pferdeställe; die herrlichsten Paläste sind verwüstet, viele Häuser verbrannt, die Türen und Fenster der anderen zerbrochen und fortgeschleppt, die Straßen in Misthaufen verwandelt, der Gestank der Leichen entsetzlich; Menschen und Tiere haben gleiches Begräbnis; in den Kirchen habe ich von Hunden zerfressene Leichen gesehen.

Ein spanischer Augenzeuge berichtet über die Plünderung Roms 1527

Die Kaiserwahl 1519 lief für Karl V. alles andere als reibungslos. Hauptkonkurrent um die Krone war der junge französische König Franz I. Beide wollten die Vormachtstellung in Europa erreichen. Dank finanzieller Unterstützung der Fugger wurde schließlich Karl gewählt. Die habsburgisch-französische Rivalität führte zu jahrelangen Kriegen: Karl wollte Gebiete in Südfrankreich und Italien sowie das Herzogtum Burgund gewinnen. Franz I. fühlte sich von den Habsburgern, die nun in Österreich und Spanien regierten, umzingelt. Er griff in den Niederlanden und in Italien an.

Im Krieg um die Vorherrschaft in Italien gelang dem Heer Karls V. 1525 einer der größten Erfolge: Die Stadt Mailand war ständig umkämpft und wechselte häufig den Besitzer. Eine französische Armee unter persönlicher Führung Franz I. eroberte die Stadt und belagerte Pavia, einige Kilometer weiter südlich. Dort konnte Karls Söldnerarmee im Februar 1525 die Franzosen schwer schlagen und Franz I. gefangen nehmen. Fast ein Jahr lang war der französische König in Mailand inhaftiert, dann wurde Friede geschlossen: Franz I. verzichtete auf Burgund, ein gemeinsamer Türkenkrieg wurde geplant. Karls Schwester Eleonore sollte zur Besiegelung des Friedens den französischen König heiraten.

Doch Franz I., nun Karls zukünftiger Schwager, wollte nach seiner Freilassung den erzwungenen Frieden nicht anerkennen. Zusammen mit Mailand, Venedig und Papst Clemens VII. gründete er die „Heilige Liga von Cognac“, um gegen die Übermacht der Habsburger in Italien vorzugehen. Der Krieg überforderte Karls Finanzen. Seine Söldner holten sich das Geld anderswo: Im Mai 1527 erstürmten und plünderten sie Rom – der „Sacco di Roma“. Tausende Stadtbewohner wurden umgebracht. Karl forderte nun vom Papst zukünftige Neutralität. 1529 beendete der Friedensschluss den Kampf um Italien zugunsten Karls V. Trotzdem kam es in den folgenden Jahren zu neuen Kriegen. Erst Ferdinand I. konnte 1559 endlich einen längerfristigen Frieden schließen.

Die Feindschaft mit Frankreich, die schon unter Maximilian I. begonnen hatte, bestimmte lange Zeit die westeuropäische Politik der Habsburger. Jahrhundertelang wurde die „Erbfeindschaft“ durch gegenseitige Aufrechnung weitergetrieben. Dass sich etwa die Franzosen immer wieder mit Türken und Protestanten verbündeten, werfen ihnen habsburgtreue HistorikerInnen bis heute vor.

Stephan Gruber