Habsburg gegen den Sonnenkönig

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Seit dem Mittelalter gab es Konflikte zwischen Habsburg und Frankreich. Den Höhepunkt erreichten diese Kriege in der Regierungszeit des französischen "Sonnenkönigs" Ludwig XIV.

1661 übernahm König Ludwig XIV. die Alleinregierung in Frankreich. Aufbauend auf die territorialen Zuwächse Frankreichs in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wollte er die Macht seiner Krone mit militärischer Gewalt weiter ausbauen – und zwar auf Kosten des Heiligen Römischen Reiches und der spanischen Niederlande. Für die Habsburger, die gleichzeitig im Osten mit dem Osmanischen Reich im Krieg standen, war dieser Konflikt im Westen eine militärische und finanzielle Kraftprobe.

1667 griffen die Soldaten Ludwigs XIV. in den spanischen Niederlanden (heute Belgien) an, einige Jahre später in Lothringen und erneut in den Niederlanden. Im Frieden von Nimwegen (heute Nijmegen) musste Kaiser Leopold I. 1679 einige Gebietsverluste hinnehmen. Um 1680 wollte Ludwig XIV. sein Territorium durch die „Réunionen“ erweitern: Nachdem Pariser Gerichtshöfe zuerst die Rechtmäßigkeit französischer Ansprüche bestätigt hatten, erfolgte der Angriff auf Gebiete im Westen des Heiligen Römischen Reiches. Höhepunkt war die Besetzung Straßburgs im September 1681.

Kurzfristig wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Doch 1688 überfiel die französische Armee erneut das Heilige Römische Reich, und zwar ohne Kriegserklärung. Die Reichsstände antworteten auf die Bedrängung durch Frankreich mit einer Allianz mit dem Kaiser – die aggressive Politik Ludwigs XIV. stärkte zu dieser Zeit die Position Leopolds I. Es folgte ein fast zehnjähriger Krieg des Heiligen Römischen Reiches gegen Frankreich, der mit dem Frieden von Rijswijk (nahe Den Haag) endete.

Der Friede hielt allerdings wieder nur wenige Jahre, da sich Ende des 17. Jahrhunderts ein neues Problem auftat: Die Frage der spanischen Erbfolge wurde immer dringlicher. Sowohl die französischen Bourbonen als auch die österreichischen Habsburger stellten Ansprüche auf das zu erwartende Erbe – 1700 starb der letzte spanische Habsburger Karl II. Dieser hatte zwar in seinem Testament Philipp von Anjou, einen Enkel Ludwigs XIV., als Nachfolger eingesetzt, doch auch Österreich betrachtete sich als legitimer Erbe. 1701 begann daher ein Erbfolgekrieg: Ohne Kriegserklärung starteten die Habsburger einen Feldzug in Italien. Die Kriege Ludwigs XIV. hatten das europäische Bündnissystem verändert: Die Niederlande und England hatten sich den Habsburgern angenähert – die Allianz zwischen diesen Mächten bestimmte den Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges.

Stephan Gruber