Was haben Franz Joseph und eine Revolutionärin gemeinsam? Vom blauen Dunst

Barrikaden-Strohhut vom Mai 1848, Kreidelithografie

Geiger Andreas: Die neue Frauentracht, 19. Jahrhundert

Zigarren-Verbrauchsliste Franz Josephs, Anfang des 20. Jahrhunderts

Kundmachung des öffentlichen Rauchverbots in der Wiener Innenstadt, bei den Stadttoren und auf Brücken, 11. Juli 1837

Bei der einen war es die politische Überzeugung, beim anderen wahrscheinlich eher ein Vergnügen, gemeinsam werden sie diesem Laster wohl nicht nachgegangen sein.

Barrikaden-Strohhut vom Mai 1848, Kreidelithografie

Geiger Andreas: Die neue Frauentracht, 19. Jahrhundert

Zigarren-Verbrauchsliste Franz Josephs, Anfang des 20. Jahrhunderts

Kundmachung des öffentlichen Rauchverbots in der Wiener Innenstadt, bei den Stadttoren und auf Brücken, 11. Juli 1837

Franz Joseph war der erste rauchende Kaiser. Am Hof war das Rauchen noch im Vormärz verpönt und der Bevölkerung zumindest öffentlich sowieso verboten, weil die Häuser in vielen Gebieten bis ins 19. Jahrhundert aus Holz gebaut waren und man im Rauchen eine Brandgefahr sah. Die Bevölkerung empfand das Rauchverbot immer mehr als politische Bevormundung. Ein Flugblatt etwa verkündete 1831: „Wenn in der Stadt das Tabakrauchen auf öffentlichen Straßen nicht alsogleich erlaubt wird, so wird eine Revolte entstehen. Die k.k. niederösterreichischen Rebellen.“

Diejenigen, die trotzdem in aller Öffentlichkeit rauchten, galten als gefährliche Unruhestifter und Demokraten. Die ‚revolutionäre Sprengkraft‘ des Rauchens zeigte sich 1846 in Wien, als es zu einer Schlägerei zwischen Studenten und Polizei kam, weil Erstere auf der Straße geraucht hatten. Eine der ersten ‚Errungenschaften‘ der Revolution von 1848 war dann auch, dass das Rauchverbot aufgehoben wurde – zumindest für Männer. Frauen unterlagen weiterhin einem gesellschaftlichen ‚Rauchverbot‘. Tragisch endete dieses für Erzherzogin Mathilde: Sie verbrannte 1867, als sie eine Zigarette unter ihrem Gewand versteckte, weil sie nicht erwischt werden wollte.

Der Staat profitierte im Übrigen von der rauchfreudigen Bevölkerung, denn zehn bis 20 Prozent der Steuern stammten im 19. Jahrhundert aus dem staatlichen Tabakmonopol. Die Einnahmen wären noch höher gewesen, hätte es nicht einen regen Tabakschmuggel gegeben, den die Bevölkerung zunehmend auch als Widerstand gegen staatliche Bevormundung betrieb.

Christina Linsboth