Statthalter der Macht: Erzherzog Josef, "József nádor"

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Besonders beliebt sind die Habsburger heute nicht mehr in den Ländern, die sie einst regierten. Doch es gibt Ausnahmen: Dem ungarischen Palatin Josef wurde ein bleibendes Denkmal gesetzt.

Erzherzog Josef, ein Sohn von Kaiser Leopold II. und Bruder von Kaiser Franz II./I., war von 1795 an mehr als ein halbes Jahrhundert lang Palatin von Ungarn. Er war damit der Stellvertreter des ungarischen Königs, dessen Funktion wiederum in Personalunion der habsburgische Kaiser innehatte. Als das System Metternich in der Revolution von 1848 zusammenbrach, sah sich Josef mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, einerseits die Interessen der Habsburger, andererseits aber auch die Forderungen der Ungarn nach mehr Rechten vertreten zu müssen. Solche Interessenkonflikte begleiteten ihn zwar seine gesamte Zeit als Statthalter in Ungarn hindurch, wurden aber während der Revolution besonders drängend. Josef stellte sich schließlich auf die Seite der Modernisierer und unterstützte die Gründung neuer nationaler Institutionen Ungarns, etwa das Nationalmuseum, die Ungarische Akademie der Wissenschaften und die Militärakademie (Ludoviceum). Auch wirtschaftlich war Josef aktiv: Er forcierte den Bau der ersten ungarischen Eisenbahn 1827 und die Gründung der Pester Ungarischen Commerzbank (seit 1831).

Seine Volkstümlichkeit und seine Beliebtheit in der Bevölkerung brachten Josef den Ruf als „Habsburger mit dem reinsten ungarischen Herzen“ ein. Bereits wenige Jahre nach seinem Tod wurde die Statue von „József nádor“, wie „Palatin Josef“ noch heute in Ungarn genannt wird, in Pest aufgestellt. Das Denkmal blieb auch nach dem Ersten Weltkrieg auf dem nach ihm benannten Platz, dem „József nádor tér“, stehen – im Gegensatz zu den Statuen seiner Verwandten: Alle fünf habsburgischen Herrscher wurden nach Kriegsende vom Millennium-Denkmal auf dem Budapester Heldenplatz gestürzt.

Stephan Gruber