Im Schatten einer starken Frau: Erzherzog Franz Karl

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Nicht jeder Habsburger war ein geborener Herrscher, einige Familienmitglieder hielten sich dezent im Hintergrund und überließen die "große Politik" anderen.

Erzherzog Franz Karl war einer jener durchaus zahlreichen Habsburger, die mit den dynastischen Herrschaftsansprüchen und vor allem mit den politischen und gesellschaftlichen Handlungen, die zur Durchsetzung dieser Ansprüche notwendig gewesen wären, wenig umzugehen wussten: Franz Karl war zwar Sohn, Bruder und Vater von drei österreichischen Kaisern, tat sich jedoch selbst kaum politisch hervor, was seiner „minderen Begabung“ zugeschrieben wird.

Als sein Vater Kaiser Franz II./I. starb, war er nach seinem Bruder Ferdinand an zweiter Stelle der Thronfolge. Unter der Regentschaft seines Bruders war Franz Karl zwar Mitglied der „Geheimen Staatskonferenz“, diese wurde jedoch vor allem von Fürst Metternich dominiert. Aber nicht nur die ihn umgebenden mächtigen Männer stellten den Erzherzog in den Schatten, auch seine politisch aktive Frau Sophie übertraf ihn in dieser Hinsicht.

Immerhin hätte er die Chance gehabt, zum mächtigsten Mann des Reiches zu werden: Er konnte sich entscheiden, ob er Kaiser von Österreich werden wollte – das können nicht viele Menschen von sich behaupten. Vor allem seine Gattin drängte ihn aber nach Ferdinands Abdankung während der Revolution von 1848 dazu, auf den Thron zu verzichten. Also machte er den Weg frei für die lange Regentschaft seines Sohnes Franz Joseph. Franz Karls Interessen lagen statt in der „großen“ Politik eher im privaten Bereich; wie zahlreiche Mitglieder der Dynastie war er zutiefst religiös.

Stephan Gruber