Mit der Postkutsche durch die Monarchie – Das Straßennetz wird ausgebaut

Separatwagen zur Beförderung von Personen, Reisegepäck und Postsendungen, 19. Jahrhundert

Postkutsche auf einem Zigarettenetui, 19. Jahrhundert

Reisen war im 18. Jahrhundert alles andere als bequem. Der Zeitgenosse Mozart empfand die Sitze der Postkutsche als "hart wie Stein" und meinte auf seine direkte Art und Weise, dass deshalb sein "Arsch so gebrennt" hätte.

Separatwagen zur Beförderung von Personen, Reisegepäck und Postsendungen, 19. Jahrhundert

Postkutsche auf einem Zigarettenetui, 19. Jahrhundert

Wolfgang Amadeus Mozart beklagte sich 1781, dass es „keinem von uns möglich war, nur eine Minute die Nacht durch zu schlaffen“. Er würde „lieber zu Fuß gehen, als in einem Postwagen zu fahren“, weil der Wagen „einem doch die Seele herausstößt“. Trotz aller Unbequemlichkeit waren Postkutschen ein wichtiges Verkehrsmittel. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts fuhren sie halbwegs regelmäßig und ersetzten die bisherigen Postreiter. Entlang der Postkurse von einer Poststation zur nächsten transportierten die Kutschen nun auch Pakete und Personen durch die gesamte Monarchie.

Die absoluten HerrscherInnen versuchten, das Postwesen zu vereinheitlichen und zu verstaatlichen. Karl VI. stellte es unter staatliche Verwaltung, um dem Staat weitere Steuereinnahmen zu sichern. Unter Maria Theresia folgte 1769 in Vorarlberg und Tirol die Taxische Post. Richtig fahrplanmäßig waren Postkutschen erstmals 1823 unterwegs.

Das Straßennetz der Monarchie wurde an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert großflächig ausgebaut. Vor allem die Straße über den Brenner in Tirol sollte großräumige Umwege ersparen und den Salzhandel erleichtern. Um 1800 wurden pro Jahr allein über den Brenner Waren mit einem Gesamtgewicht von rund 19.000 Tonnen transportiert. Auch heute noch ist er eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen über die Alpen – 2007 wurden über den Pass insgesamt 48,2 Millionen Tonnen Güter befördert.

Die Verkehrsplaner der Monarchie richteten das Straßennetz einerseits auf die Haupt- und Residenzstadt Wien aus, wo die wichtigsten Straßen zusammenliefen. Andererseits konzentrierten sie sich auf den Hafen in Triest. Um den Verkehrsfluss zu beschleunigen, wurden eigens neue Speditionen gegründet und von der sogenannten Umladepflicht befreit. Bisher hatten sich die Transporte verzögert, weil auf einigen Strecken bestimmte Frächter das alleinige Recht zum Warentransport hatten und die Güter daher oft umgeladen werden mussten.

Christina Linsboth