Die Donau fließt in die falsche Richtung – Wasserwege als Transportmöglichkeit mit Hindernissen

Lloyd Dampfer "Erzherzogin Charlotte", Aquarell, 1887

Schiffzugpferd

Johann Nepomuk Höchle: Der Schiffzug, Lithografie, um 1830

Dass die Donau in die 'falsche Richtung' floss, war nicht das einzige Verkehrsproblem. Der Gütertransport zu Wasser war vor allem teuer und risikoreich. Und groß angelegte Pläne für neue Verkehrswege scheiterten an der Finanzierbarkeit.

Lloyd Dampfer "Erzherzogin Charlotte", Aquarell, 1887

Schiffzugpferd

Johann Nepomuk Höchle: Der Schiffzug, Lithografie, um 1830

Große Hoffnungen setzten die Verkehrsplaner des 18. Jahrhunderts in die Flussschifffahrt. Vor allem die Donau, der ‚Hauptfluss‘ der Habsburgermonarchie, sollte den Transport von Personen und Gütern beschleunigen und die Straßen entlasten. Flussabwärts – also von Passau in Richtung Wien – war der Wasserweg tatsächlich ein schneller Transportweg. Langsam, beschwerlich und teuer wurde es allerdings in die Gegenrichtung. Für die Strecke von Wien nach Passau benötigten Schiffe 20 bis 31 Tage, weil sie stromaufwärts von Pferden gezogen wurden. Zudem war der Wasserweg nicht ganz ungefährlich, sodass zahlreiche Schiffe verunglückten. Im Personenverkehr war es üblich, die Abwärtsfahrt per Schiff zu unternehmen und die Retourstrecke auf der Straße. Ein bekannter Schiffstyp war die sogenannte „Wiener Zille“, die jeden Sonntag zwischen Ulm und Wien verkehrte. Wegen ihrer Form wurde sie spöttisch als „Ulmer Schachtel“ bezeichnet. Sie war eine Art ‚Einwegboot‘, weil sie nach der Ankunft in Wien zu Brennholz verarbeitet wurde.

Für den Warentransport floss die Donau gleichsam in die ‚falsche‘ Richtung. Das ungarische Getreide beispielsweise flussaufwärts zu transportieren, war ausgesprochen kostspielig. Für schwere Massengüter wie Salz, Holz oder Eisen kam nur eine Fahrt flussabwärts in Frage.

Joseph II. versuchte, die Donauschifffahrt attraktiver zu gestalten und wollte einen regelmäßigen Schiffsverkehr zwischen Wien und Konstantinopel einführen. Das Recht zur freien Befahrung der Donau und des Schwarzen Meeres setzte er zwar 1784 durch und die Transportkosten wären bedeutend niedriger gewesen als auf dem Land- oder Seeweg über Triest. Das Vorhaben scheiterte aber an der geringen Auslastung der Strecke sowie der schwierigen Logistik und am großen Risiko. Dampfschiffe befuhren die Donau im internationalen Vergleich erst relativ spät, weil die Fließgeschwindigkeit anfangs zu hoch war.

Um diese Verkehrsprobleme zu lösen, wollten Verkehrsplaner die wichtigsten Flüsse mittels Kanälen verbinden. Vor allem eine Nord-Süd-Verbindung nach Triest sollte hergestellt werden. Aber auch diese Pläne scheiterten primär wegen der hohen Kosten.

Christina Linsboth