Erzsi – Kronprinz Rudolfs unkonventionelle Tochter

Kronprinz Rudolf mit seiner Familie, Originalfotografie nach einem Gemälde von J. Plagemann

Erzherzogin Elisabeth Marie, in der Familie „Erzsi“, der Koseform von Erzsebet (ungarisch: Elisabeth) genannt, war das einzige Kind von Rudolf und Stephanie.

Kronprinz Rudolf mit seiner Familie, Originalfotografie nach einem Gemälde von J. Plagemann

Nach dem Tod Rudolfs wurde sie von ihrem Großvater Kaiser Franz Joseph, der auch die Vormundschaft übernahm, regelrecht vergöttert. Sie selbst begann den früh verstorbenen Vater zu heroisieren – auch von ihrem unkonventionellen Charakter her war sie ihm sehr ähnlich, während das Verhältnis zur Mutter stets schwierig blieb.

Dank ihrer Eigenwilligkeit setzte Erzsi 1902 ihre Heirat mit Prinz Otto von Windischgrätz gegen die Konventionen der Dynastie durch. Windischgrätz war zwar ein Angehöriger des österreichischen Hochadels, aber kein Abkömmling eines souveränen Hauses und damit nicht ebenbürtig. Die Ehe verlief sehr unglücklich, beide Ehepartner sorgten mit außerehelichen Aktivitäten für Gesprächsstoff in der Wiener Gesellschaft. Eine Scheidung war aber erst nach dem Ende der Monarchie 1924 möglich. Die Eskalationen im Streit um das Sorgerecht um die Kinder kamen in die Schlagzeilen.

Elisabeth lernte in den 1920er Jahren den sozialdemokratischen Abgeordneten Leopold Petznek kennen, mit dem sie zunächst in wilder Ehe zusammenlebte – eine Heirat erfolgte erst 1948. Sie trat auch der SPÖ bei, was ihr den Beinamen „rote Erzherzogin“ einbrachte. Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte sie in ihrer Villa in Wien-Hütteldorf, die sie zusammen mit vielen Erbstücken aus dem Besitz ihres Vaters und Großvaters nach ihrem Tod 1963 testamentarisch der Gemeinde Wien vermachte. Die Tochter Kronprinz Rudolfs liegt auf dem Hütteldorfer Friedhof in Wien begraben. 

Martin Mutschlechner