1526–1739

Der Kampf um die Seelen – Habsburg und die Gegenreformation

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Die Reformation war im Reich der Habsburger auf fruchtbaren Boden gefallen. Nur durch massive habsburgische Unterstützung gelang der katholischen Kirche eine Erneuerung. Die alte Kirche zeigte neues Selbstbewusstsein. Die Jesuiten waren die Speerspitze der katholischen Gegenreformation. Man setzte auf Konfrontationskurs.

Mit Kaiser Rudolf II. übernahm eine offensivere, sich am gefestigten Katholizismus Spaniens und Italiens orientierende Richtung der Gegenreformation die Führungsrolle und löste die gemäßigte, auf Ausgleich abzielende humanistische Richtung, für die sein Vater Maximilian II. gestanden war, ab.

Rudolf II. wurde mit seinen Brüdern in Spanien erzogen, da die spanische Hauptlinie der Dynastie sicherstellen wollte, dass die jungen Prinzen im Sinne der katholischen Orthodoxie erzogen wurden.Von dort brachten sie ein stark von romanischen Kulturmustern geprägtes Selbstbewusstsein der katholischen Kirche mit zurück nach Mitteleuropa.

Immens wichtig für diesen Ideologietransfer waren die Jesuiten. Diese „Soldaten Gottes“ waren dem Papst zu unbedingtem Gehorsam verpflichtet, zeigten sich unerbittlich gegenüber Abweichungen von der katholischen Doktrin und agierten mobil und kosmopolitisch. Als Erzieher und Beichtväter vieler Habsburger der Barockzeit verfügten sie über großen politischen Einfluss bei Hof.

Bereits 1551 gründete Ferdinand I. in Wien die erste Niederlassung der Jesuiten im Reich, es folgten Gründungen in allen größeren Städten. In den habsburgischen Ländern waren sie vor allem im Bildungsbereich tätig. Es gelang dem Orden, eine Monopolstellung für höhere Bildung zu erreichen.

Die Jesuiten waren jedoch nur einer der „Neuen Orden“ der Gegenreformation, die neue Impulse in Seelsorge und Spiritualität setzten. Ergänzend seien hier die Kapuziner, Piaristen oder Barmherzigen Brüder genannt. Daneben agierten erneuerte mittelalterliche Orden wie die Karmeliter, Franziskaner oder Serviten. Je nach Ausrichtung lag der Schwerpunkt auf Mission und Predigt, Bildung oder karitativen Einrichtungen.

Die Habsburger starteten nach 1600 eine regelrechte Klosteroffensive in Wien und den landesfürstlichen Städten. Da loyale katholische Adelsfamilien dem Beispiel der Dynastie folgten, kam es zu einer Gründungswelle von Klöstern im ganzen Reich. Ein nahezu flächendeckendes Netzwerk von Klöstern, Wallfahrtsorten und Denkmälern katholischer Frömmigkeit entstand

Das Ziel, die Rückkehr der Masse der Bevölkerung zur katholischen Kirche, wurde aber nicht nur durch verstärkte Seelsorge und fromme Werke erreicht, sondern auch mit Terror und Gewalt: die habsburgische Staatsmacht zerstörte konsequent protestantische kirchliche Strukturen und verfolgte Nichtkatholiken unerbittlich.

Martin Mutschlechner