1741–1914

Privat – Eintritt verboten!

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Obwohl noch zu Lebzeiten Maria Theresias im Jahre 1779 der Großteil des Schönbrunner Parks für die Allgemeinheit geöffnet wurde, blieben einzelne Bereiche bis 1918 als Erholungsraum allein der kaiserlichen Familie vorbehalten.

Die zu den ältesten Gartenteilen Schönbrunns zählenden Kammergärten, die unmittelbar seitlich ans Schloss anschließend zu finden sind, waren schon in der Barockzeit ein beliebtes Rückzugsgebiet vor der bleiernen Schwere des Hofzeremoniells. Auffallend an diesen besonders kostbar ausgestalteten Privatgärten mit ihren intimen Blumenparterres, versteckten Heckengärten, luftigen Pavillons und schattigen Wandelgängen ist ihre raffinierte Kleinteiligkeit, die sie wie barocke Miniaturen aussehen lässt. Kaiserin Elisabeth schätzte diese exklusiven Bereiche besonders. Sie verlegte ihr Privatappartement ins Erdgeschoss, um einen direkten Zugang in den Hietzinger Kammergarten zu erhalten. Dort konnte sie von der Öffentlichkeit abgeschirmt jederzeit an die frische Luft gelangen und ihren Bewegungsdrang ausleben. Bei Schneefall ließ sie die Wege mit Brettern ausgelegen, um Spaziergänge auch bei schlechter Witterung unternehmen zu können. Anschließend an ihren Privatgarten besaß die bekannte Pferdenärrin eine eigene Sommerreitbahn, die sich, obwohl längst schon aufgelassen, als Spazierweg immer noch nachvollziehen lässt.

Da auch habsburgische Sprösslinge regelmäßig an die frische Luft gelangen sollten, lassen sich bis heute Spuren kaiserlicher Kindheit in Schönbrunn erkennen. So steht versteckt im dichter bewaldeten Gartenteil am Glorietteberg die „Robinsonhöhle“ des Herzogs von Reichstadt, ein kleines Blockhaus, wo der Sohn Napoleons in gut habsburgischer Tradition unter den wachsamen Augen seines gärtnernden Großvaters Kaiser Franz II./I. sein Gartenwerkzeug verstauen konnte.

Kaiser Franz Joseph wurde als Kind ebenfalls in Schönbrunn spielerisch auf seine zukünftige Funktion vorbereitet. In der Meidlinger Vertiefung erkennt man heute noch den Rest des kaiserlichen Spielplatzes, wo rund um einen Pavillon ein Kleintierzoo, eine Indianerhütte aus Stroh, aber auch gemäß der militärischen Prägung in der Erziehung eine kleine Festung aus Erdwällen samt Exerzierplatz angelegt waren.

Damals wurde der Grundstein für Franz Josephs kaiserliches Selbstverständnis gelegt, schreibt er doch schon als 13-Jähriger in einem Aufsatz, dass „das Großartige, das Kaiserliche, das Symmetrische, die bestimmten Formen“ des Schönbrunner Parks seinem Naturell am Besten entsprächen.

Martin Mutschlechner