1741–1914

Schloss Hof – adeliges Landleben und habsburgisches Familienschloss

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Wo einst Prinz Eugen sich nach den Strapazen des Feldherrendaseins erholte, wollte Maria Theresia als Witwe in ihren letzten Lebensjahren Ruhe finden. Nach Jahrzehnten des Verfalls gilt Schloss Hof dank der umfangreichen Renovierungsmaßnahmen der letzten Jahre wieder als eine der bedeutendsten Schlossanlagen des 18. Jahrhunderts in Mitteleuropa.

Prinz Eugen schuf in der weiten Ebene des Marchfelds ein Idealbeispiel eines hocharistokratischen Landsitzes: Im Mittelpunkt des Besitzes erhebt sich das beherrschende Schloss. Daneben steht der weitläufige Meierhof als sichtbares Zeichen dafür, dass Grundbesitz das ökonomische Fundament für den Adel darstellte und als Hinweis auf das ordentliche Wirtschaften des adeligen Gutsherrn. Größte Bewunderung erregten jedoch die prachtvollen Gärten in Form einer barocken Terrassenanlage, die sich als nach dem strengen Willen und dem erlesenen Geschmack des Bauherrn gestaltete Natur kontrastreich gegen die ungezähmte Aulandschaft der Umgebung abzeichneten.

Im Jahre 1754 war Schloss Hof Schauplatz eines spektakulären Festes, das zu Ehren Maria Theresias und Franz Stephans gegeben wurde, um ihnen die Vorzüge des Besitzes vor Augen zu führen, denn die Erben Prinz Eugens hofften auf eine käufliche Übernahme durch das Kaiserpaar. Dieses Fest dauerte drei Tage, Höhepunkte waren eine musikalisch begleitete Fahrt in festlich geschmückten Booten auf der March sowie ein venezianisches Wasserkarussell auf den Teichen der Umgebung, wo die Gäste mit Gondeln zu einem Lusthaus auf einer künstlichen Insel geführt wurden. Verabschiedet wurde das Kaiserpaar mit einem Bacchantenumzug unter Mitwirkung der bäuerlichen Bevölkerung, um die Freuden des Landlebens zu unterstreichen.

Das Vorhaben gelang, und Schloss Hof war von nun an der Mittelpunkt des entstehenden habsburgischen Privatbesitzkomplexes im Marchfeld. Nach dem Tod Franz Stephans begann Maria Theresia mit dem Ausbau des Schlosses, da sie Schloss Hof als ihren Witwensitz einzurichten gedachte. Das Appartement der Kaiserinwitwe stellt ein einzigartiges Ensemble höfischer Wohnkultur in den Formen des josephinischen Stils dar. Bezeichnend für Maria Theresias Familienpolitik ist der Zyklus von Familienbildern, die die erwachsenen Kinder der Kaiserin samt Schwiegerkindern und Enkeln zeigen. Hier vermischt sich der repräsentativ dynastische Anspruch mit der Sichtbarmachung der privaten Familienbande, was auf einen ausdrücklichen Wunsch der alternden Kaiserin zurückgeht.

Martin Mutschlechner