1741–1914

Schnepfenklopfen und Wildsauhatz – Franz Joseph auf der Jagd

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Die Jagd war Franz Josephs große Leidenschaft. Hirsche, Gämsen, Auerhähne und gar Wildschweine - die stolze Summe von 55.000 Stück Wild soll der Kaiser im Laufe seines langen Lebens erlegt haben.

Wenn Franz Joseph seine Uniform gegen die Lederhose tauschte und den Hut mit Gamsbart trug, erscheint der sonst so unnahbare Monarch geradezu wie ein einfacher Bürger. Die Jagd war keine spezifische Leidenschaft Franz Josephs und seiner Familie, sondern eine adäquate Freizeitgestaltung des Adels. Die Aristokratie war es schließlich, die sich die notwendigen Jagdreviere leisten konnten, um ihrer Leidenschaft zu frönen.

Franz Joseph, der sich als besonders emsiger und begeisterter Jäger hervortat, kaufte etliche Jagdhäuser an und ließ sich Jagdschlösser errichten, unter anderem in Eisenerz (Steiermark) und Radmer (Steiermark) sowie an den Langbathseen und am Offensee (Oberösterreich). Das bedeutendste Jagdschloss stellt das 1867 im „Schweizer Stil“ errichtete und seit 1903 als „Schloss Mürzsteg“ bezeichnete Gebäude nahe dem Semmering in der Steiermark dar. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Hohe Veitsch, dem höchsten Gipfel der Mürzsteger Alpen.

Da die Jagd für gesellschaftliche ebenso wie für politische Zusammentreffen genutzt wurde, gab es in Mürzsteg nicht nur sechs Gästezimmer, einen Speisesaal und ein Billardzimmer, sondern im ersten Stock neben dem Wohnzimmer des Kaisers auch Appartements für die gekrönten Häupter unter den Gästen. Zu diesen zählte beispielsweise 1903 Zar Nikolaus, der bei seinem Besuch in der Steiermark nicht nur 17 Gämsen erlegte, sondern auch mit dem österreichisch-ungarischen Monarchen die „Mürzsteger Punktationen“ über die Balkanpolitik verhandelte. In diesen wurde ein gemeinsames politisches Vorgehen auf dem Balkan vereinbart, was speziell in Italien und England befürchten ließ, der Zar würde Franz Joseph auf dem Balkan frei agieren lassen.

Wenn nicht gerade weltpolitische Verhandlungen geführt wurden, ging es in den Jagdschlössern im Vergleich zum höfischen Alltag eher zwanglos zu. Dies galt insbesondere für die Jagddiners. Es gab einfach zubereitete Gerichte wie den bekannten Kaiserschmarrn oder Geselchtes mit Sauerkraut und Knödeln, die auf mit Jagdmotiven geschmücktem Geschirr gereicht wurden. Nach dem Essen blieb man gerne noch zur Unterhaltung am Tisch sitzen. Zu den Jagdausflügen nahmen die Teilnehmer kaltes Fleisch, Gebäck und Cognac mit. Wenn es sehr kalt war, gerne auch Thermoskannen mit Tee oder Suppe.

Elisabeth schenkte Franz Joseph zu Geburts- oder Namenstagen gerne Gegenstände für seine Jagdschlösser, wie ein Minton-Service für Schloss Langbathsee, oder ließ dort Renovierungsarbeiten durchführen wie das Ausmalen der Räume oder die Einleitung des Telefons. Seit 1946 steht das Schloß Mürzsteg dem jeweils amtierenden österreichischen Bundespräsidenten als Sommersitz zur Verfügung.

Sonja Schmöckel