1741–1914

Laxenburg – habsburgisches Arkadien

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Das Haus Habsburg hielt Laxenburg über Jahrhunderte die Treue. Hier suchten gekrönte Häupter Zerstreuung und entflohen dem Alltag. "Rerum irrecuperabilium summa felicitas est oblivio" – frei übersetzt: Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist …

Diese lateinische Inschrift ist bis heute am ältesten Teil der Anlage, dem ‚Alten Schloss‘, angebracht. Seit dem Mittelalter schätzten die Habsburger die Vorzüge Laxenburgs, das, in der wildreichen Aulandschaft des Flusses Schwechat gelegen, ideale Bedingungen für die im Haus Habsburg besonders ausgeprägte Jagdleidenschaft bot. Vor allem im Frühjahr und im Herbst fand man Erholung in ländlicher Abgeschiedenheit und war dennoch in der Nähe von Wien.

Kaiserliches Format erhielt Laxenburg dank der großzügigen Ausbauten in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Maria Theresia ließ ältere Gebäude umgestalten und um zusätzliche Trakte erweitern, die als ‚Blauer Hof‘ bzw. ‚Neues Schloss‘ der kaiserlichen Familie nun eine standesgemäße Unterkunft boten. Der Unterhaltung der höfischen Gesellschaft dienten der luftige Gartenspeisesaal, Spielhäuser, Gartenpavillons und ein eigenes Theater. Es entstand somit eine weitläufige Anlage von Gebäuden, die, um mehrere Höfe und Plätze gruppiert, die Grundstimmung der flachen Ebene aufnimmt und sich in der weiten gärtnerisch gestalteten Landschaft verliert.

Selbst Joseph II., der dem architektonischem Erbe seiner Mutter sonst eher reserviert gegenüberstand, fand an Laxenburg Gefallen und ließ in beeindruckend kurzer Zeit von nur zwei Jahren mithilfe von 300 Pionieren den bis dato streng geometrisch angelegten Lustgarten und Jagdpark zu einem der bedeutendsten englischen Landschaftsgärten Mitteleuropas umgestalten. Wie alle kaiserlichen Gärten machte er auch den Laxenburger Park der Öffentlichkeit zugänglich.

Eine besondere Beziehung zu Laxenburg hatte Franz II./I., unter dem die Anlage eine Glanzzeit erlebte. Hier konnte Franz weltvergessen seinem Gestaltungswillen freien Lauf lassen, seinen botanischen Leidenschaften frönen, in seiner eigenen Tischlerwerkstätte seine handwerkliche Geschicklichkeit üben und trotzig inmitten der pseudomittelalterlichen Fantasiearchitektur der Franzensburg die Altehrwürdigkeit des Hauses Habsburg betonen – zu einer Zeit, als außerhalb der Mauern des laxenburgischen Gartens Stück für Stück seine Vorstellung von der alten Welt zusammenbrach und Napoleon ihm das Leben schwer machte: „Die Laxenburg werden’s mir doch lassen?“, soll Franz in einem Moment der ärgsten Bedrängnis gefragt haben.

Martin Mutschlechner