Die Hermesvilla – Privatresidenz auf Staatskosten?

Druckversion

In Wien sein und doch nicht bei Hofe – Franz Joseph schenkte seiner zunehmend reiselustigen Gattin Elisabeth eine Villa im Grünen, um sie öfter in seiner Nähe zu wissen. Aber ging bei der Finanzierung alles mit rechten Dingen zu?

Ich werde mich immer fürchten, alles zu verderben.

Franz Joseph resignierend angesichts der negativen Reaktion Elisabeths auf die Gestaltung der Hermesvilla. (aus: Hamann, Brigitte/Hassmann, Elisabeth: Elisabeth. Stationen ihres Lebens, Wien/München 1998, S. 97)

Mit dem Bau der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten, einem kaiserlichen Jagdrevier am Stadtrand von Wien, wollte Franz Joseph seiner Gattin das Leben in Wien wieder schmackhaft machen. Die oft monatelange Abwesenheit seiner Frau missfiel dem Kaiser zutiefst. Ein komfortabler, von der Öffentlichkeit abgeschirmter Wohnsitz inmitten der Natur des Wiener Waldes sollte die scheue Kaiserin zu längeren Aufenthalten in der Residenzstadt bewegen.

Doch wie konnte sich der Kaiser ein derartiges Großprojekt für seine ihn durch ihre Reisetätigkeit ohnehin schon teuer kommende Gemahlin leisten? Die Finanzierung der Hermesvilla ist jedenfalls nicht ganz durchsichtig. Privates Vermögen der Familie Habsburg und die Finanzen des Reiches wären laut Gesetz streng zu trennen gewesen, die Mittel für den Bau einer Sommervilla für Elisabeth in jedem Fall dem familiären Geldbeutel zu entnehmen. Zu jener Zeit, als der Architekt Carl Hasenauer von Franz Joseph mit dem Bau der Hermesvilla beauftragt wurde, plante dieser in Wien die Errichtung der Ringstraße aus den Geldern des Stadterweiterungsfonds. Die erhaltenen Bauakten sowie Lieferaufträge für Baumaterial lassen zumindest vermuten, dass auch die Hermesvilla aus den Geldern des Stadterweiterungsfonds mitfinanziert wurde.

Für die Ausstattung war Franz Joseph nur das Beste gut genug: Nach den Entwürfen des für die Ringsstraßenzeit stilprägenden Malers Hans Markart arbeitete eine Reihe von Künstlern (darunter auch der junge Gustav Klimt) an der Gestaltung der Räume. Einen Eindruck davon erhält man heute noch im Schlafzimmer Elisabeths, das von Wandmalereien, die Ausschnitte aus Elisabeths Lieblingsstück, dem „Sommernachtstraum“ von William Shakespeare, zeigen, und einem pompösen barocken Prunkbett dominiert wird. Der Kaiser hat damit aber nicht unbedingt den Geschmack seiner Gattin getroffen: Anlässlich der Besichtigung des Raumes soll Elisabeth nur wortlos den Kopf geschüttelt haben. Bei ihren Aufenthalten in der Hermesvilla nächtigte Elisabeth daher bevorzugt auf einer Matratze am Boden in Fensternähe, um in den Sternenhimmel zu sehen.

Fortschrittlich präsentierte sich die Hermesvilla hinsichtlich der Sanitäranlagen. Elisabeth begegnete der Einrichtung von Badezimmern mit Fließwasser mit der Sorge um die Badefrauen, die so um ihre Beschäftigung kämen. Aber schließlich übte das wie von Geisterhand aus der Wand fließende Wasser auch auf die Kaiserin eine Faszination aus. So beobachtete Carl Hasenauer, wie die Kaiserin sichtlich vergnügt an den Wasserbecken die Hähne auf- und zudrehte.

Zwar nannte Elisabeth die Villa im Lainzer Tiergarten in einem ihrer Gedichte als „Titanias Zauberschloss“, doch blieben längere Aufenthalte in Wien weiterhin eine Seltenheit.

Sonja Schmöckel