Wohnen wie ein Fürst, feiern wie ein Künstler

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Als "Herren der Ringstraße" übernahm das Großbürgertum eine weitere Funktion, die früher dem Adel vorbehalten war: das Kunstmäzenatentum. In Wohn- und Lebensstil ließ es sich vom "Malerfürsten" Hans Makart beeinflussen.

Mitten durch all die Kunst wuchert ein ganzer Hain von getrockneten, gleichsam vergoldeten Palmen, Blumen blühen, Kristalle glitzern, alte buchsgeschnitzte Figuren schimmern in Streiflichtern, der Hintergrund vollends ist ein Sammelsurium von Lusterweibchen, alten Büsten, Vasen, Kästchen.

Ludwig Hevesi, Schriftsteller, Journalist, z.B. für das "Wiener Fremdenblatt" und den "Pester Lloyd", und bedeutender Chronist der franzisko-josephinischen Epoche, über Makarts Atelier.

Üppigkeit und Prunk in Einrichtung und Ausstattung dienten der Demonstration des Herrschaftsanspruchs, als Sujets besonders beliebt waren monumentale Historienbilder. Hans Makart, der „Malerfürst“ der Ringstraßenzeit, verlieh dem Wunsch des Bürgertums nach einem dem Adel möglichst gleichwertigen repräsentativen Wohnambiente den entsprechenden Dekor.

In seinem orientalisch verbrämten Atelier feierten illustre Gäste in historischen Kostümen rauschende Feste. Sein ausschweifender Lebensstil erfasste die ganze Stadt: Makart-Rosen wurden gezüchtet, Damen eiferten mit kunstvoller Kleidung und Federhüten seinen Darstellungen nach. Sein Atelier wurde zur Pilgerstätte, die täglich gegen Eintrittsgeld besichtigt werden konnte, und zum Vorbild vieler bürgerlicher Salons.

Makart bediente aber auch das Kaiserhaus – und wurde damit noch anziehender für das Bürgertum. Für das Schlafgemach der Kaiserin in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten lieferte er Entwürfe für Wandmalereien aus Shakespeares „Sommernachtstraum“. Die Idee dazu stammt angeblich von der Kaiserin höchstpersönlich, die sich gerne als „Titania“ bezeichnete.

Nicht nur für das Bürgertum, auch für seine KünstlerkollegInnen war Makarts Lebensstil vorbildhaft. In Anlehnung an die legendären Feste in seinem Atelier fanden im Wiener Künstlerhaus Bälle in historischen Kostümen statt. Seit 1870 wurden dort regelmäßig gesellschaftliche Veranstaltungen abgehalten. Den Höhepunkt bildete das „Fest der Künstler“ in der Faschingszeit, ein „Gschnasball“, der alljährlich zu einem bestimmten Motto von Künstlern für Künstler und ihre Freunde veranstaltet wurde. Meist waren diese Feste parodistisch angelegt. So karikierten die Veranstaltenden ihre eigene Arbeit oder die ihrer Kollegen, wie das Gschnas „Es ist erreicht“ 1901, eine Parodie auf die Ausstellungen und die Kunst der Secession. Mit illusionistischen Malereien und aufwendiger Dekoration, die nach dem Ende der Feste noch eine Woche lang gegen Entgelt zu bestaunen war, versetzten die Bälle in eine Welt der Illusion. „Durch den dunklen Erdteil“ 1885 entführte die Teilnehmenden nach Afrika – sogar ein Krokodil mit grünen Topfdeckeln als Schuppen wurde gebastelt.

Auch Zeitreisen in die Zukunft oder Vergangenheit waren möglich. Durch den erschwerten Zugang waren diese Feste ein elitäres Vergnügen. Zu den Gästen zählten auch Mitglieder der kaiserlichen Familie, etwa Kronprinz Rudolf, nie jedoch das Kaiserpaar selbst.

Julia Teresa Friehs