Ringstrassenkorso. Druck nach einem Gemälde von Theo Zasche, um 1900

"Opern-Ring: Stadtseite"

"Opern-Ring: Vorstadtseite"

"Kärnthner-Ring: Stadtseite"

"Kärnthner-Ring: Vorstadtseite"

Der Korso des Wiener Bürgertums

Ringstrassenkorso. Druck nach einem Gemälde von Theo Zasche, um 1900

"Opern-Ring: Stadtseite"

"Opern-Ring: Vorstadtseite"

"Kärnthner-Ring: Stadtseite"

"Kärnthner-Ring: Vorstadtseite"

Schon in ihrer Entstehungszeit entwickelte sich die Ringstraße zur beliebten Meile des flanierenden Bürgertums, einem Ort des Sehens und Gesehenwerdens.

Schön sind sie freilich, jene zehn Spannen Weges auf dem Kärntner Ring. Besonders im Frühling, vor der Opernstunde, wenn ein goldener Westhimmel über den Kuppeln der Hofmuseen dampft, die Vergoldungen des Heinrichhofes gleich lebendigem Feuer an der langen Fronte herumzüngeln, aus den Fensterreihen gegenüber dem Kaisergarten lauter bengalische Purpurflammen schlagen und der kleine Pegasus auf dem First des Opernhauses unverkennbar Miene macht, sich in den olympischen Glanzdunst emporzuschwingen. Das ist die aristokratische Stunde des ‚Kärntnerrings‘.

Ludwig Hevesi, Kunstkritiker, über die Schönheit des Kärntner Rings, um 1892.

Ringstrassenkorso. Druck nach einem Gemälde von Theo Zasche, um 1900

"Opern-Ring: Stadtseite"

"Opern-Ring: Vorstadtseite"

"Kärnthner-Ring: Stadtseite"

"Kärnthner-Ring: Vorstadtseite"

Auf der Ringstraße setzte sich die Tradition des Spaziergangs auf der Stadtmauer fort. Besonders beliebt war die Strecke zwischen „Sirkecke“ (Ecke Kärntner Straße/Oper) und Schwarzenbergplatz.

Angeblich wurde die Stadtseite des Rings zehnmal so stark von Spaziergängern frequentiert wie die Vorstadtseite. Eine zeitgenössische Beschreibung gibt Einblick in das Geschehen: „Es sieht wie eine im Dunkeln schleichende Verschwörung aus, wenn auf der kurzen Strecke zwischen Kärntnertor und Schwarzenbergplatz, aber nur auf der Stadtseite, jeden Abend ein unheilvolles Gedränge stattfindet, ein cityhaftes Menschengewühl, das sich auf seine eigenen Füße tritt und Arm in Arm mit sich selber auf und nieder wogt. […] Ganze Prozessionen von zweibeinigen Bibern und Zobeln drücken sich an einander vorbei. An der bekannten Straßenecke, wo Alles auf Commando Kehrt macht, stauen sich die Gruppen von Rittern des Chic, der Monokel-Adel, die Bügelfaltokratie […]“

Die Ringstraße bot für jedermann die Gelegenheit, an der Welt der Reichen und Schönen teilzunehmen, wenn auch nur für die Dauer eines Spaziergangs oder eines Kaffees. Hier konnte man den Herrschenden nahe sein, konnte am kaiserlichen Burggarten vorbeispazieren und vielleicht sogar einen Festzug zu sehen bekommen.

Julia Teresa Friehs