Unter Göttern und Helden – Habsburg, Schönbrunn und die Antike

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In ihrem letzten Lebensjahrzehnt nahm Maria Theresia eine groß angelegte Umgestaltung des Schönbrunner Parks in Angriff. Der Park sollte als Medium der dynastischen Repräsentation dienen. Das Ergebnis hatte dann nicht nur die exklusive Gesellschaft des Hofes als Publikum, sondern war seit 1779 auch der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich.

Die BesucherInnen sollten idealerweise von der Südterrasse des Schlosses den majestätischen Anblick auf sich wirken lassen, wo sich alle Achsen der Anlage bündeln. Von hier aus hat man die beste Sicht auf die wichtigsten Versatzstücke aus dem Fundus der antiken Mythologie, die die Dynastie als Untermauerung ihrer imperialen Ansprüche zitierte.

Zunächst wird der Blick von der Gloriette angezogen, die als Triumphbogen der siegreichen habsburgischen Armeen den Schönbrunner Berg krönt. Die Gestaltung des Berges, der der Idee des endlos in die Landschaft ausgreifenden Barockgartens widersprach, war in den Augen der Gartenarchitekten ein großes Problem des Schönbrunner Gartens. Der Architekt Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg plante ursprünglich den Berghang mit zahlreichen Wasserspielen, Brunnen und Kaskaden zu beleben. Der großzügige Entwurf wurde schließlich – auch das ist eine habsburgische Tradition – in stark reduzierter Form realisiert. Durch den Bau der Gloriette als Gegenpol zum Schloss erhielt die Hauptachse des Gartens schließlich einen prospektartigen Abschluss.

Zwischen Gloriette und Schloss entstand der Neptunbrunnen als Höhepunkt eines Statuenprogramms, das das zentrale Blumenparterre einrahmt. Helden, Götter und Herrscher der antiken Mythologie werden als Zeugen für den habsburgischen Anspruch auf das imperiale Erbe angeführt. Über alle Zeiten hinweg wird so eine Verbindung zum Kaisertum des Hauses Habsburg hergestellt.

Denselben Gedanken unterstreicht der Obelisk, der sich als antikes Symbol für Standhaftigkeit und Kraft des menschlichen Geistes erhebt, als reine geometrische Form über einem als grobe Felsgrotte gestalteten Sockel. Auf der Spitze sitzt ein Adler als kaiserliches Herrschaftszeichen, fantasievolle Symbole in Form altägyptischer Hieroglyphen erzählen vom ewigen Ruhm des Hauses Habsburg.

Ebenfalls einen Bezug zur Antike stellt die heute so genannte Römische Ruine her. Ihre ursprüngliche Bezeichnung als „Ruinen von Karthago“ stellt das habsburgische Kaisertum  als Nachfolger des alten Rom dar, das nach dem Sieg über ihre Widersacherin die Herrschaft über die antike Welt  übernahm. Beim Durchblick durch die kulissenartige künstliche Ruine erkennt man im Hintergrund die Statue des triumphierenden Herkules. Dieser antike Held, der seine Aufgaben mit Ausdauer und Beharrlichkeit löst und schließlich siegreich unter die Götter aufgenommen wird, war schon immer die bevorzugte Identifikationsfigur der Imperatoren aus dem Hause Habsburg.

Martin Mutschlechner