Schönbrunn unter Franz Joseph – Letzter Glanz und finaler Schauplatz der Monarchie

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In Schönbrunn wurde Franz Joseph geboren, in Schönbrunn ist er auch gestorben. Das Schloss war nicht nur offizieller Wohnsitz des Kaisers; er war seit seiner Kindheit in besonderer Weise mit dem Sommerwohnsitz der Familie verbunden, den er im Alter auch im Winter nur noch selten verließ.

Als Franz Joseph 1848 mit 18 Jahren die Nachfolge seines Onkels Kaiser Ferdinand antrat, übernahm er Schönbrunn samt Möblierung im „Blondel’schen Stil“ des Neorokoko, ein Ausstattungsprogramm, das der neoabsolutistischen Regierungsform des jungen Kaisers durchaus entsprach.

Die repräsentativen Salons waren einheitlich in der typischen weiß-rot-goldenen Farbgebung eingerichtet. Waren die Privatappartements 1848 für den Einzug Franz Josephs nur provisorisch adaptiert worden, ergab sich durch die bevorstehende Hochzeit mit Kaiserin Elisabeth im Jahr 1854 ein Anlass, die Räume grundlegend zu renovieren. Anschließend an die Wohnung des Kaisers im Westflügel, bestehend aus Vor-, Audienz-, Arbeits- und Wohnzimmer, wurde für Elisabeth ein Appartement zum Hietzinger Kammergarten hin eingerichtet. Das gemeinsame Schlafzimmer mit dunklen Palisanderholzmöbeln erhielt einen weiß-blauen Bezug, der höchstwahrscheinlich nicht Elisabeths persönlichem Geschmack entsprach.

Daher ist es nicht erstaunlich, dass Elisabeth sich im Jahre 1862 ein privates Gartenappartement im Erdgeschoss einrichten ließ, das über eine Wendeltreppe von den offiziellen Wohnräumen aus zu erreichen war. Diese Räume verraten uns viel mehr über Elisabeths Vorlieben: So ließ sie die Wände in ihrer Lieblingsfarbe Lila tapezieren und sich einen direkten Ausgang in den Garten einrichten, den sie vom Personal unbemerkt nutzen konnte. In unmittelbarer Nähe befand sich die Reithalle (heute ist darin die Wagenburg eingerichtet), in der Elisabeth Dressurreiten trainierte. In abgelegenen Teilen des Schönbrunner Parks ritt sie gerne aus, oft in Begleitung ihrer Hunde: „Von Schönbrunn gehört Mir das Gloriett und jene Teile des Parkes, die dem Publikum nicht gefallen.“

Schloss Schönbrunn war ursprünglich der Sommerwohnsitz der kaiserlichen Familie, im Winter residierte man in der Hofburg. Mit zunehmendem Alter machte Franz Joseph Schönbrunn jedoch zu seinem ganzjährigen Hauptwohnsitz, der Kaiser begab sich nur mehr für offizielle Anlässe in die Hofburg. Am 21. November 1916 starb er im Alter von 86 Jahren in seinem Schlafzimmer in Schönbrunn. Zwei Jahre später unterzeichnete sein Nachfolger Karl I. in Schönbrunn die Verzichtserklärung und legte die Regierungsgeschäfte zurück. Die Monarchie erstrahlte in Schönbrunn nicht nur in ihrem späten Glanz, sondern fand hier auch ihr Ende.

Sonja Schmöckel