Ludwig Viktor – Erzherzog "Luziwuzi"

Erzherzog Ludwig Viktor in der Uniform eines Generalmajors, Originalfoto

Palais Ludwig Viktor am Schwarzenbergplatz 1, 1951

Erzherzog Ludwig Viktor - oder „Luziwuzi“, wie er als jüngstes Kind und umsorgtes Nesthäkchen im Familienkreis genannt wurde – galt als ein exzentrischer Sonderling. Die Homosexualität des jüngsten Bruders von Kaiser Franz Joseph war ein offenes Geheimnis.

Erzherzog Ludwig Viktor in der Uniform eines Generalmajors, Originalfoto

Palais Ludwig Viktor am Schwarzenbergplatz 1, 1951

In der persönlichen Umgebung wusste man darüber, aber es wurde unter dem Vorwand der „Sittlichkeit“ nicht offen darüber gesprochen. Der Grund, warum in der Öffentlichkeit die offensichtliche Homosexualität des Kaiserbruders kein Thema war, ist in der strengen Pressezensur zu suchen. Die Presse musste bei Berichten über das Herrscherhaus extrem vorsichtig sein.

Daher finden sich in den meisten Darstellungen über Ludwig Viktor nur mehr oder weniger eindeutige Anspielungen über seine sexuellen Vorlieben. Als beispielhaft hierfür kann Fürstin Nora Fugger gelten, die in ihren Erinnerungen die Persönlichkeit des Erzherzogs generell sehr kritisch beurteilte, ohne jedoch seine Neigung offen auszusprechen: Ludwig Viktor sei „grundverschieden von seinen Brüdern, weder militärisch noch kunstverständig, schwächlich, unmännlich, geziert und von garstigem Äußeren.“

Innerhalb der Familie nahm Ludwig Viktor die Rolle eines exzentrischen Sonderlings ein. Selbst Franz Joseph, der sonst so strenge Chef der Familie, sah sich als Beschützer seines jüngsten Bruders und tolerierte die Eskapaden Ludwig Viktors. Der jüngste Kaiserbruder galt als schwieriger Charakter: Einerseits wurde er als ungemein unterhaltsam und schlagfertig geschildert, andererseits war er gefürchtet wegen seiner scharfen Zunge. Vor allem seine Schwägerin Kaiserin Elisabeth bezichtigte ihn, durch seine Intrigen Unfrieden in die Familie zu bringen.

Als Erzherzog genoss Ludwig Viktor einige Privilegien. Finanziell gut abgesichert, verfügte er in Gestalt seines nach Plänen von Heinrich Ferstel erbauten Palais am Wiener Schwarzenbergplatz über einen standesgemäßen Hauptwohnsitz. Weiters besaß er mit Schloss Kleßheim bei Salzburg einen prächtigen Sommersitz. In Salzburg erfreute sich Ludwig Viktor großer Beliebtheit und wurde als Mitglied der Kaiserfamilie zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Stadt. Er engagierte sich als Schirmherr des Salzburger Kunstvereins und gab große Feste. Den in Salzburg stationierten Offizieren wurde jedoch bald verboten, Einladungen anzunehmen. Unter der Hand wurden die „unnatürlichen Neigungen“ des Erzherzogs als Grund genannt.

Ludwig Viktor lebte seine Homosexualität mehr oder weniger offen aus. Lange Zeit wurde sein Lebensstil stillschweigend toleriert. Schließlich kam es zu einem handfesten Skandal, der mit der Verbannung des Erzherzogs vom Wiener Hof endete. Als Grund dafür gilt ein missglückter Annäherungsversuch in einer öffentlichen Badeanstalt für Männer, der mit einer Ohrfeige für den Erzherzog endete, wie Fürstin Fugger schildert: „Eines schönen Tages kam es tatsächlich zu einem großen Skandal, ja sogar zu einem Handgemenge in der Badeanstalt. Man erzählt sich, der Erzherzog habe eine Ohrfeige erwischt und die Flucht ergreifen müssen. Dem Kaiser wurde diese Skandalaffäre – natürlich in den grellsten Farben – geschildert. Er war aufs höchste empört und befahl dem Bruder, Wien sofort zu verlassen und sich auf Schloß Klessheim (sic) zurückzuziehen.“

Warum Franz Joseph nun plötzlich seinen Bruder fallen ließ, nachdem er dessen Lebensstil jahrelang toleriert hatte, ist unbekannt. Als eine weitere maßgebliche Gestalt hinter diesem „Bannfluch“ wird auch Thronfolger Franz Ferdinand genannt; Dieser hatte es dem Kaiserbruder niemals verziehen, dass er familienintern als einer der Hauptgegner der so umstrittenen Eheschließung Franz Ferdinands mit Sophie Gräfin Chotek aufgetreten war. 

Den Rest seines Lebens verbrachte der Erzherzog zurückgezogen auf seinem Besitz Schloss Kleßheim bei Salzburg. 1915 wurde er als „geisteskrank“ unter Kuratel gestellt und regelrecht interniert. Ludwig Viktor starb schließlich 1919, also bereits nach dem Ende der Monarchie, in seiner Salzburger „Wahlheimat“, wo er auf dem Siezenheimer Friedhof begraben wurde.

Martin Mutschlechner