Kostümbildnis der Luise, Erzherzogin von Österreich-Toskana

(Un)Zucht und (Un)Ordnung im Kaiserhaus

1839–1918

Das verbreitete Bild einer idealen Familie ist ein wohlgeordneter, harmonischer Verband von Verwandten. Aber wie in vielen anderen Familien geriet diese Ordnung bei den Habsburgern manchmal ins Wanken. Denn nicht alle Mitglieder des riesigen Familienverbandes hielten sich an einen „standesgemäßen“ Lebensstil. Für das Familienoberhaupt, den Kaiser, der offiziell das Sagen hatte, war nicht immer klar, wie mit unliebsamen Verwandten umzugehen sei. Im 19. Jahrhundert kamen zahlreiche Skandale rund um die „schwarzen Schafe“ in der Familie Habsburg an die Öffentlichkeit. Die bürgerlichen Lebenswelten boten zu dieser Zeit für einige Mitglieder der Dynastie neue, offenbar attraktive Alternativen zu den traditionellen dynastischen Vorstellungen von standesgemäßen Lebensformen. Nicht immer herrschten also Zucht und Ordnung in der Großfamilie – „die Habsburger“ sind eben keine geschlossene Gruppe mit bestimmten Familieneigenschaften, sondern ein großer Verband von Menschen mit ganz unterschiedlichen Neigungen und Lebenseinstellungen.

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