Hadern und Lumpen – Über das Papier machen

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Papier ersetzte seit dem Mittelalter zusehends Pergament als bevorzugten Beschreibstoff. Im Gegensatz zu heute wurde es nicht aus Holz, sondern aus alter Kleidung hergestellt.

Am Beginn der Neuzeit engagierten sich die adeligen Grundherren nicht nur im Bereich der landwirtschaftlichen Produktion, sondern errichteten verstärkt auch gewerbliche Betriebe. Zudem verfügten sie über Monopole, mit deren Hilfe sie lokale Absatzmärkte zum Beispiel für Bier kontrollierten. Die Steinbrüche, Sägemühlen, Ziegel- und Kalköfen dienten vor allem dem Eigenbedarf der Grundherrschaft. Benötigt wurden die Baustoffe für die zahlreichen adeligen und geistlichen Bauprojekte des 16. und 17. Jahrhunderts. Die Papiermühlen und Glashütten wiederum wurden zumeist an bürgerliche Unternehmer verpachtet. Für das Papier sicherten sich die adeligen Grundherren wie bei vielen Produkten das Vorkaufsrecht.

Vor allem in der Verwaltung wurde immer mehr Papier benötigt, sodass im 16. Jahrhundert zahlreiche Mühlen in der Nähe von Verwaltungszentren entstanden. Hergestellt wurde das Papier aus Hadern (Textilabfällen), die von den sogenannten LumpensammlerInnen an die Mühlen verkauft wurden. Die kontinuierliche Versorgung mit dem Rohstoff war so wichtig, dass Maria Theresia 1768 einen eigenen Sammelrayon für jede Papiermühle festlegen ließ. Nach 17 Jahren wurde das Hadernsammeln allerdings wieder freigegeben.

In einer Mühle arbeiteten zwei bis drei Gesellen an der Papierherstellung: Die Textilabfälle wurden zerkleinert und mittels wasserbetriebenen Stampfwerken zerstoßen, sodass ein mit Wasser verdünnter Brei entstand. In diesen tauchte man ein engmaschiges, aus Metallfäden bestehendes Sieb, auf dem sich eine Breischicht ablagerte, die nach dem Pressen und Trocknen ein Blatt Papier ergab. Ein Wasserzeichen, das in das Schöpfsieb integriert war, bezeichnete die Herkunft, die Papiersorte oder das Herstellungsdatum des Blatts. Wenn das Papier zusätzlich mit Leim versetzt wurde, war es undurchlässig und die Tinte verrann nicht mehr.

Christina Linsboth